Mittlerweile sei Kanada der weltweit fünftgrößte Produzent von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Genveränderter Raps sei inzwischen derart verbreitet, dass dessen Spuren selbst in Honig, der angeblich frei von Erbgutveränderung ist, nachzuweisen seien. In der EU hingegen sei, so Greenpeace, lediglich eine gentechnisch veränderte Nutzpflanze, eine Maissorte, zum Anbau zugelassen. Die werde nur in zu vernachlässigenden Mengen in Spanien und Portugal angebaut.

Schon in der Vergangenheit hatten die unterschiedlichen Sensibilitäten zu Streit zwischen der kanadischen Regierung und der EU geführt. 2009 hatte Kanada die EU vor der Welthandelsorganisation WTO verklagt, weil die Europäer damals keine genveränderten Produkte aus Kanada auf ihren Markt lassen wollten. Man einigte sich schließlich außergerichtlich. Doch richtig geklärt wurde die Sache nicht. Kanada durfte einfach mehr Lebensmittel anderer Art in die EU exportieren. Und man vereinbarte, dass man künftig über Streitfragen der Biotechnologie zweimal im Jahr diskutieren werde.

Genauso ungeklärt ist die Sache bis heute noch. Denn auch der Ceta-Vertrag wäre im Falle eines Streits über die Gentechnik ziemlich schwammig. Im Artikel 25.2 wird auf den "Dialog über den Zugang zu biotechnologischen Märkten" verwiesen. Im Klartext heißt das: Wenn es ernst wird, dann reden wir mal drüber.

Gut möglich, dass das schon bald nötig sein wird. Greenpeace hat verschiedene Vertreter des deutschen Einzelhandels zum Umgang mit dem umstrittenen Fisch befragt. Deren Antworten sind sich ziemlich ähnlich.

Man orientiere sich in der Sortimentspolitik an den Kunden, die "mehrheitlich keine gentechnisch veränderten Lebensmittel wünschen", schreibt beispielsweise der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Entsprechend biete man "keine kennzeichnungspflichtigen gentechnisch veränderten Produkte an" und plane dies "auch nicht für die Zukunft". Die Deutsche See GmbH schreibt: "Wir haben besagten Genlachs weder gekauft, verarbeitet oder sonst etwas damit gemacht und haben dies auch nicht vor. Wir lehnen solche Herstellungspraktiken generell strikt ab."

Was aber, wenn der Lachs durch einen Importeur trotzdem in Deutschlands Kühltheken auftaucht? Helmut Tschiersky, der Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, hält das durchaus für möglich. Zwar gebe es "seit Jahrzehnten umfangreiche amtliche Kontrollen". Doch "trotz dieser Maßnahmen" könne nicht "zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, dass geringe Mengen von nicht zugelassenem genveränderten Lachs auf den Markt gelangen".

Bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder der kanadische Lachs hat bald ein Image-Problem – weil niemand ganz sicher weiß, ob der aus dem Tank oder aus dem Fluss kommt –, oder die Kanadier denken um und kennzeichnen. Dafür aber gibt es bisher keine Anzeichen.