Die jüngste Verfilmung von Es, Stephen Kings 1986 erschienenem Roman, zog in den USA an ihrem Premierenwochenende mehr Menschen ins Kino als je ein Horrorfilm zuvor. In zwei Wochen hat sie fast 400 Millionen Dollar eingespielt. Das ist für die amerikanische Kinoindustrie die erste gute Nachricht seit Langem. Am 21. September erreicht die Geschichte um den grauenhaften Clown Pennywise, welcher in der Unterwelt der fiktiven Stadt Derry im realen Bundesstaat Maine seinen Appetit auf menschliches Fleisch und kindliche Seelen stillt, die deutschen Kinos. Auch hier dürfte der Erfolg groß sein.

Aber wodurch lässt er sich erklären? Warum wollen so viele Leute Es im Kino sehen, warum nicht zu Hause?

Alles andere, was der Markt so bietet, schaut sich der Mensch ja gern allein an, Sport, Komödien, Pornografie, Kriegsfilm, aber zum Horror begibt er sich in festliche Gesellschaft. Die Fremden um einen herum erträgt man am ehesten, ja sie werden einem zu Brüdern, wenn sie in einem Zustand froher Panik sind.

Amerikanische Kulturwissenschaftler behaupten, dass in Filmen wie Es die Zukunft, ja die Überlebenschance des Kinos liege. Es scheint so, als sei das intensivste gesellschaftliche Erlebnis, für das man, zumal als junger Zuschauer, noch bereitwillig Geld ausgibt, das Beisammensein im Horror. Man braucht den Mitmenschen nicht als Freund, aber als Reflektor, Verstärker und vielleicht Besänftiger der eigenen Furcht schätzt man ihn durchaus.

Dafür geht man unter Menschen, auch wenn man, als am Computer aufgewachsenes Kind, als vor allem per Bildschirm und Kopfhörer mit den Kumpanen verbundener Navigator des eigenen Lebens, die körperliche Anwesenheit anderer eigentlich nicht mehr erträgt.

Aber für den Schrecken der anderen ist man bereit zu zahlen – als wäre der Kinoabend eine Vorbereitung auf künftige Katastrophen. Als trainierten die jungen Leute von heute eher unter sich für die Massenpaniken von morgen.

Dazu passt, dass Es ein Film ist, der von sieben Protagonisten im Rollenalter von 12 bis 14 Jahren getragen wird. Zwei dieser jungen Helden entledigen sich nebenbei, im Kampf gegen das Monster, ihrer schwer gestörten Eltern. Und man hat den Eindruck, der Horrorclown Pennywise komme ihnen gerade recht, um im Dunst der Schlacht, die sie gegen ihn führen, auch ihre persönlichen Kämpfe um die Zukunft zu gewinnen.