1. Der Anfang ist Ansichtssache: Den Herbst kann man auf drei Arten festlegen

Offiziell beginnt der Herbst auf der Nordhalbkugel am Freitag, den 22. September (während südlich des Äquators der Frühling startet). Entscheidend dafür ist allerdings nicht das Wetter oder der Kalender, sondern die Astronomie: Zum Herbstbeginn steht die Sonne genau im Zenit über dem Äquator, Tag und Nacht dauern exakt gleich lang. Das Datum dieser Tagundnachtgleiche variiert allerdings von Jahr zu Jahr – genauso jenes für den Winterbeginn, die Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember. Denn die Umlaufzeit der Erde um die Sonne weicht um ein paar Stunden von exakt 365 Tagen ab.

Aus Sicht der Meteorologen hingegen beginnt der Herbst jedes Jahr am selben Tag, und zwar am 1. September. Die Zeitspanne bis zum 30. November wird dann kurioserweise "meteorologischer Herbst" genannt, obwohl sie gar nicht mit bestimmten Wetterphänomenen zusammenhängt. Denn die Übergänge zwischen den Jahreszeiten sind fließend. Die Einteilung der Meteorologen hat schlichtweg praktische Gründe: "Wir verwenden ganze Monate, um eine strikte statistische Eingrenzung treffen zu können", sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst.

Und dann gibt es noch eine dritte Methode, den Herbstbeginn festzulegen: die Orientierung an der "phänologischen Uhr" (von griech. phaíno, "ich erscheine"). Demnach hängt die dritte Jahreszeit von dem Zeitpunkt ab, an dem bestimmte Pflanzen blühen und reifen oder Blätter sich verfärben und abfallen.

2. Die Botanik zeigt, wie der Herbst tatsächlich wirkt

Allerdings ist die jahreszeitliche Einteilung mithilfe der Botanik komplexer als die kalendarische: Anhand von sieben "Leitpflanzen" lassen sich hierzulande zehn phänologische Jahreszeiten unterscheiden – darunter drei Herbstphasen.

So beginnt der Frühherbst, wenn die Früchte des Schwarzen Holunders reifen. In der Regel dauert er von Ende August bis Ende September. Mit der Reife der Eicheln beginnt der Vollherbst, und wenn sich schließlich die Eichenblätter färben, ist Spätherbst. Dieser dauert meist von Ende Oktober bis Mitte November.

Beginnt die Eichen ihre Blätter zu verlieren, markiert dies den phänologischen Winteranfang. Im vergangenen Jahr fiel dieser botanische Jahreszeitenwechsel auf den 14. November – im Mittel. Denn die zehn Phasen der Phänologie unterscheiden sich von Ort zu Ort, vor allem im Nord-Süd-Verlauf.

3. Der Herbst ist stabiler als der Sommer. Aber freuen Sie sich nicht zu früh ...

Es gibt Vorhersagen für ganze Jahreszeiten, aber allzu sehr verlassen sollte man sich nicht darauf. Der DWD orientiert sich an Ozeandaten, die deutlich weniger schwanken als Messwerte aus der Luft und deshalb einen langfristigen Trend sichtbar machen können. Darauf basierende Modellrechnungen lassen bis Ende des kommenden Novembers für den größten Teil Deutschlands leicht überdurchschnittliche Temperaturen erwarten (plus ein halbes Grad) sowie für Mittel- und Süddeutschland etwas weniger Niederschlag (minus 50 Milliliter pro Quadratmeter).