I. Worauf Verkäufer hoffen

Wer Geld mit einer Auktion verdienen möchte, der hofft auf Wettbewerb: Ehrgeizige Bieter streiten sich um ein begehrtes Objekt und treiben sich gegenseitig zu immer höheren Geboten. Am Ende stehen ein fantastischer Verkaufspreis und eine satte Provision für das Auktionshaus. Das ist das Ideal. Doch zum Alltag auf dem Kunstmarkt gehört auch die andere Seite: ein Publikum, das auf den Händen sitzt, keine Bietlust zeigt und ein Objekt nach dem anderen zurückgehen lässt.

II. Wie Auktionen gesteuert werden

Um in einem solchen Fall ein Bietgefecht in Gang zu bringen, beginnt mancher Auktionator mit einem besonders niedrigen Preis. So niedrig, dass er sogar unter dem Mindestpreis liegt, der mit dem Einlieferer des Objekts vereinbart wurde. Findet sich dann wenigstens ein Bieter, beginnt ein Scheinkampf, den mancher nicht für sonderlich fair hält. Angenommen, der Besitzer eines Gemäldes verabredet mit dem Auktionshaus einen Mindestpreis von 3.000 Euro, das Interesse aber ist gering. Dann wird der Versteigerer zunächst 2.000 Euro aufrufen. Findet sich nur ein einziger Bieter, der auf 2.200 Euro erhöht, dann gibt der Auktionator ihm nicht den Zuschlag. Stattdessen antwortet er mit "bei mir sind 2.400 Euro" – eine Art Scheingebot. Lässt sich der Bieter davon verlocken und legt nach, geht das so weiter, bis der Mindestpreis erreicht ist. Obwohl er also in Wirklichkeit gar keinen kaufwilligen Kontrahenten hatte, zahlt der Käufer für das Gemälde mehr, als er nach den Spielregeln einer Auktion eigentlich zu zahlen hätte. In den Versteigerungsbedingungen wird das mit dem Satz umschrieben: "Der Auktionator ist berechtigt, ohne dies anzeigen zu müssen, bis zum Erreichen eines mit dem Einlieferer vereinbarten Limits auch Gebote für den Einlieferer abzugeben."

III. Was Bieter vorziehen

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, um ein Objekt zu versteigern, das seinen Mindestpreis nicht erreicht. Das ist der Zuschlag "unter Vorbehalt". Es ist die offene und faire Variante. Sie kommt ohne Scheingebote aus. Wird der gewünschte Preis in einer Auktion nicht erzielt, dann muss der Einlieferer entscheiden, ob er das Gebot trotzdem akzeptiert. Der Bieter ist, falls er es nicht umgehend wieder zurückzieht, einige Wochen an sein Gebot gebunden, drei sind es etwa im Auktionshaus Grisebach, vier bei Lempertz, fünf bei Nagel. In den Ergebnislisten, die unmittelbar nach der Auktion veröffentlicht werden, sind die Zuschläge "unter Vorbehalt" meist mit dem Kürzel "u. V." oder einem Stern gekennzeichnet. In den endgültigen Ergebnislisten erscheinen sie dann allerdings als "verkauft" oder als Rückgang.