Hans-Jörg Rüstemer sitzt an Bord der MS Bergedorf im Museumshafen Altona vor einem halben Liter Bier. Um ihn herum ein Dutzend traurige Mitstreiter der Initiative "Elbstrandweg für alle". Es ist Sonntagabend, das Ergebnis des Bürgerentscheids ist soeben bekannt gegeben worden, und es ist niederschmetternd für die Unterstützer des Radweges.

Zwei Initiativen hatten ihre Positionen zu dem geplanten Holzweg am Övelgönner Strand zur Abstimmung gestellt. Die Initiative "Elbstrandweg für alle" plädierte für einen Fuß- und Radweg am Ufer des Flusses, die Initiative "Elbstrand retten" stellt sich grundsätzlich dagegen. Die Entscheidung fiel alles andere als knapp aus: Nur etwa 28 Prozent der Altonaer folgten "Elbstrandweg für alle", fast 80 Prozent schlossen sich "Elbstrand retten" an – da man gleichzeitig für beide Lager stimmen konnte, kam es zu einem Gesamtergebnis von über 100 Prozent.

Rüstemer ist enttäuscht: über das Bezirksamt, das "unsensibel geplant" habe, über die "Wutbürger", die die Planungen hysterisch bekämpft hätten, über die rot-grüne Koalition in Altona, die Projekte angestoßen und sich dann nicht mehr dazu bekannt habe. "Keine Partei hat uns offen unterstützt", sagt der Webdesigner, der in Blankenese lebt, Radfahrer ist und sich schon seit Jahren wünscht, dass die etwa 900 Meter lange Lücke geschlossen wird, die der Strand in den Elbe-Radwanderweg reißt.

Besonders enttäuscht ist Rüstemer von den Grünen. Als die Wellen der Bürgerempörung hochschlugen, verstummten die grünen Radwegverfechter und entzogen dem Vorhaben ihre Unterstützung. "Man hätte meinen können, dass es ein grünes Projekt ist", sagt Rüstemer. "Aber wir hatten keine wirklichen Unterstützer."

Die Grünen: Um die geht es auch ein paar Hundert Meter weiter an der Strandperle, wo sich die siegreichen Radweg-Gegner zum Feiern versammelt haben. Sie strecken die Sektgläser in die Höhe, rufen "Danke, Altona!", umarmen sich und reden hämisch über die Ökopartei. "Rot-Halbgrün ist heute eine deutliche Abfuhr erteilt worden", ruft Bürgerentscheid-Mitinitiatorin Christiane Petersen in einer Dankesrede an die Unterstützer. Halbgrün – eine Anspielung darauf, dass aus der grünen Bezirksfraktion Abgeordnete ins Lager der Gegner gewechselt sind.

Petersen, die in Ottensen wohnt und den Elbstrand für Spaziergänge mit ihrem Hund nutzt, ist eigentlich eine klassische Grünen-Unterstützerin. "Ich habe immer grün gewählt", sagt sie. "Aber das geht jetzt nicht mehr." Und so wirkt es, als sei die Haltung der Partei zum Elbstrandweg ein Sinnbild für ihre Lage: Die Haltung unklar, die Position als drittstärkste Partei in der Stadt wankt.