Angela Merkel

CDU, 63 Jahre, Physikerin

DIE ZEIT: Über welchen Satz von Erwachsenen haben Sie sich als Kind furchtbar geärgert?

Angela Merkel: Über die beiden Sätze "Das ist noch nichts für dich" und "Du musst jetzt ins Bett gehen".

DIE ZEIT: Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Kinder heute in Deutschland denken?

Merkel: Für die meisten Kinder heute ist es viel schwieriger als für uns früher, einfach draußen zu spielen.

DIE ZEIT: Was müsste sich für Kinder hier im Land am dringendsten verändern?

Merkel: Es sollte weniger Unterrichtsausfall geben. Außerdem ist es wichtig, dass alle Schulen bald mit modernen digitalen Lehrmitteln ausgestattet sind und wenigstens Grundzüge des Programmierens vermitteln.

DIE ZEIT: Worin sind Kinder heute besonders gut – vielleicht besser, als Sie es als Kind waren?

Merkel: Die allermeisten sind natürlich unglaublich schnell und geschickt im Umgang mit Smartphones und allen digitalen Kommunikationsmitteln. Außerdem wissen Kinder heute dank der verschiedenen Wissenssendungen im Fernsehen schon sehr früh sehr viel.

DIE ZEIT: Und wobei sollten Kinder mal ihren Hintern hochkriegen, wo könnten sie sich stärker einbringen?

Merkel: Kinder sollten, wann immer das möglich ist, raus in die Natur gehen.

DIE ZEIT: Haben Sie sich schon als Kind für Politik interessiert?

Merkel: In meiner Kindheit in der DDR konnten schon ganz alltägliche Dinge politisch sein – zum Beispiel, ob man das Sandmännchen im Westfernsehen sah oder im DDR-Fernsehen: Der Unterschied zeigte sich in dem Aussehen der eingeblendeten Uhr, und mancher Lehrer fragte danach.

DIE ZEIT: Wenn Ihnen ein Kind sagt: "Politik ist doch öde!" – was antworten Sie?

Merkel: Das darf man als Kind natürlich genau so sehen. Wenn Kinder dann doch Fragen haben, sollten Erwachsene ihnen ehrlich und verständlich antworten; so können sie Interesse wecken.

DIE ZEIT: Was können Erwachsene von Kindern lernen?

Merkel: Dass sie, wenn sie spielen, alles andere um sich herum vergessen können. Und dass sie oft ganz arglos auch unbequeme Wahrheiten aussprechen – diese Eigenschaft sollte auch Erwachsenen nicht verloren gehen.