Für viele Menschen ist die Beziehung zu ihrem Hund eine große, wahre Liebesgeschichte. Der Hund braucht den Menschen und seine Zuwendung. Und der Mensch braucht den Hund und das, was er für dessen Liebe hält.

Diese Liebe hängt nicht vom Alter ab, vom Aussehen oder von der Größe des Autos. Dem Hund ist egal, ob ein Mensch Abitur hat oder einen Hauptschulabschluss, ob er arm ist oder reich, alt oder jung, schön oder hässlich, dick oder dünn. Die Liebe eines Hundes ist vorurteilslos. Das macht sie für viele so wertvoll, gerade in Zeiten, in denen man sich auf Internetplattformen wie Parship, Facebook und Instagram zur Schau stellt, um nicht einsam zu sein. Der Hund lässt dich nicht allein. Aber wie bei jeder großen, wahren Liebe birgt auch diese die Gefahr, dass man die Vernunft vergisst und zu sehr liebt. Dass man den anderen so innig umarmt, dass er nicht mehr atmen kann und erstickt.

Der Konzern Fressnapf verkauft Tierfutter und -zubehör, ihn hat die Liebe des Menschen zum Hund reich und groß gemacht. In Krefeld im Schatten der Rheinbrücke liegt die Unternehmenszentrale. 1.100 Menschen arbeiten hier, einer von ihnen ist Katrin Zimmermann, die im zweiten Stock des Backsteingebäudes empfängt. Sie selber hat keinen Hund, aber wenn sie aus dem Fenster ihres Büros schaut, sieht sie die umzäunte Wiese, auf der die Fressnapf-Angestellten mit ihren Hunden spielen können.

Zimmermann, 41 Jahre alt, dunkler Blazer und dunkles kurzes Haar, ist Brand-Managerin, das heißt, sie entwickelt Marken, die "Real Nature" oder "Select Gold" heißen. Fressnapf gibt 15 Eigenmarken heraus, Zimmermann nennt sie Fressnapf-Marken, weil "Eigenmarke" billig und nach Aldi klingt.

Dabei ist das Unternehmen genau das, was Aldi für Lebensmittel ist oder Media Markt für Elektrotechnik: ein Discounter mit günstigen Angeboten und Märkten, die bis zu 1.500 Quadratmeter groß sind. 879 Märkte gibt es in Deutschland, 499 weitere im übrigen Europa, in Italien, Frankreich, Polen, Ungarn, Dänemark, Belgien, Irland, Luxemburg, Österreich, der Schweiz. Im vergangenen Jahr erzielte Fressnapf einen Rekordumsatz von 1,9 Milliarden Euro.

Katrin Zimmermann sagt: "Bei Fressnapf steht die weibliche Zielgruppe im Fokus." Frauen kaufen bei Fressnapf ein, oder sie sagen ihren Männern, was sie einkaufen sollen. Gerade hat Zimmermann gemeinsam mit ihren Kollegen eine neue Eigenmarke entwickelt: "Dogs Creek", eine Outdoor-Marke für Hunde, was genauso absurd ist, wie es klingt.

Mit "Dogs Creek" will Fressnapf endlich auch Männer erreichen, mit ausklappbaren Näpfen und Hundedecken, die zusammengerollt werden können wie Schlafsäcke. Robust, hochwertig und funktional sollen die Produkte sein, sagt Zimmermann. "Eine Art Jack Wolfskin für den Hund."

Es ist das Fressnapf-Konzept: Zimmermann und ihre Kollegen schauen, welche Trends es für den Menschen gibt. Sie sehen, dass viele Menschen gerne Kleidung von Jack Wolfskin oder The North Face tragen. Dann überlegen sie, wie sie die "Produkte aus dem Humanbereich", wie Zimmermann es nennt, in Produkte für den Hund umwandeln können.

Der Konzern orientiert sich an den Menschen, nicht an den Hunden. Denn es sind ja die Menschen, die die Produkte für ihren Hund kaufen. Was nicht zwingend heißt, dass es tatsächlich Produkte für den Hund sind:

Weil Menschen auf ihr Gewicht achten, verkauft Fressnapf Diätfutter für Hunde.

Weil Menschen sich um ihre Verdauung sorgen, verkauft Fressnapf glutenfreies Futter oder Futter für ernährungssensible Hunde.

Weil Menschen gern schön sind, verkauft Fressnapf den "Pet Balance Pfotenpflege Balsam" mit Bienenwachs für Hunde oder das "Beaphar Fell-Glanz Spray" mit Macadamiaöl.

Weil Menschen es gern trocken haben, verkauft Fressnapf den "Buster Regenmantel".

Weil Menschen gern auf Nummer sicher gehen, verkauft Fressnapf die "Trixie Hunde-Schwimmweste".

Weil Menschen gern gut riechen, verkauft Fressnapf die "Ergo Dual Brush"-Zahnbürste und die "bogadent Dental Creme Mint 100 g" mit Mintgeschmack gegen Mundgeruch.

Weil Menschen sich gern gesund ernähren, verkauft Fressnapf Futter wie "Happy Dog Supreme Sensible Toscana" mit Entenprotein und Lachsmehl, mit Leinsamen, Holunderfrüchten, Artischocke, Löwenzahn, Bohnenkraut, Majoran, Ingwer, Rosmarin, Salbei, Thymian, Birkenblättern, Brennnessel, Anisfrüchten, Basilikum, Fenchelfrüchten, Holunderblüten, Lavendelblüten, Koriander, Kamille, Ulmenspierkraut und Süßholzwurzel.

Nur auf veganes Hundefutter verzichtet Fressnapf bislang.