Katja Ries-Scherf, 58 Jahre alt, züchtet seit 14 Jahren Möpse und leitet den Club für den Mops e. V. In Wehr, einer kleinen Stadt an der deutsch-schweizerischen Grenze, lebt sie mit mehr als einem Dutzend Möpsen zusammen. Auf ihrem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück hat sie Liegen, Swimmingpools und Bällebäder für ihre Möpse aufgestellt. Ries-Scherf, die eigentlich Ferienwohnungen vermietet, sagt, sie sei dem Mopsvirus verfallen.

Stundenlang kann sie über Ahnentafeln reden, über Zuchtordnungen und Zuchtprüfungen. Ihre Hunde haben viele Preise gewonnen, sie wurden Deutscher Champion, Türkischer Champion, Luxemburger Champion und Schweizer Champion. Sie tragen den Zwingernamen "vom Mägdebrunnen", so etwas wie ein Nachname. Mit Vornamen heißen sie Daisy, Donatella, Drag Queen oder Aris Kariesch Dream of all Life. Die Namen denkt Ries-Scherf sich selber aus.

Zucht, sagt sie, bedeute für sie Selektion. Und am wichtigsten sei ihr dabei die Gesundheit ihrer Hunde. Sie sagt: "Mein ganzes Herzblut ist die Rasse. Wenn ich einen gequälten Hund sehen würde, wäre das für mich die größte Folter."

Katja Ries-Scherf fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ärzten wie Oechtering, dem Hundechirurgen aus Leipzig, wirft sie finanzielle Interessen vor. Man müsse nicht bei jedem Mops das Gaumensegel kürzen, sagt sie. Möpse hätten schon immer geschnarcht. Außerdem habe sie noch nie einen Mops gesehen, der blau anläuft oder einfach umfällt.

Redet man mit Ries-Scherf über Qualzucht, sagt sie: "Hunde, die nicht gut atmen können, gehören nicht in die Zucht." Dann kommt sie wie fast alle Hundezüchter schnell auf den illegalen Handel mit Welpen zu sprechen. Für sie sind die Hundekäufer das Problem. Und deren "Geiz-ist-geil-Mentalität".

An dieser Stelle wird die Liebesgeschichte zwischen den Menschen und ihren Hunden so irrational wie jede Liebesgeschichte. Und so schmutzig wie immer, wenn sich Liebe in ein Geschäft verwandelt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und lösen sich auf. Jeder fühlt sich im Recht. Die Züchter, die Hundehalter, die Tierärzte. Und jeder hat auch ein bisschen recht.

1.500 Euro zahlte Ackermann für ihren Mops. Fünf Monate später fielen ihm die Haare aus

Bei Ries-Scherf kostet ein Mopswelpe bis zu 1.500 Euro. Bei eBay Kleinanzeigen gibt es ihn für ein paar Hundert Euro. Deshalb besorgen sich viele Menschen lieber einen Welpen im Internet als bei einem Züchter.

Viele dieser Internet-Welpen aber kommen in dreckigen, engen Hinterhofställen in Ungarn, Polen, Tschechien oder der Slowakei zur Welt. Tierschutzorganisationen wie "Vier Pfoten" sprechen von Tierquälerei, organisierten Banden und mafiösen Strukturen.

Die Welpen leben in ihrem eigenen Kot, werden zu früh von der Mutter getrennt, die nichts weiter ist als eine Gebärmaschine, und nach wenigen Wochen ungeimpft und mit gefälschtem Zuchtbuch über die Grenze gefahren. Und schließlich, sofern sie diese Strapazen überleben, auf irgendeinem Parkplatz in Deutschland verkauft.

Für die Hundekäufer ist es dann Liebe auf den ersten Blick.

Das Absurde ist, dass der Geiz der Hundekäufer in dem Moment endet, in dem die Liebe beginnt. Oft werden die Welpen aus den Hinterhöfen Ungarns schon nach wenigen Wochen krank, sie übergeben sich, verlieren ihre Haare, sie fiebern. Ihre Besitzer sind dann schon so verliebt, dass sie Tausende Euro bei Ärzten lassen, um ihre Hunde zu retten.

An niemandem wird die Widersprüchlichkeit dieser Liebesgeschichte zwischen Mensch und Hund so deutlich wie an Uschi Ackermann.

Ihren ersten Mops kaufte sie vor elf Jahren, sie hatte die Annonce im Kölner Express gelesen, 1.500 Euro zahlte sie für den Welpen. Sie nannte ihn "Sir Henry". Fünf Monate später fielen Sir Henry die Haare aus, Demodikose, eine Hautkrankheit.

Ackermann begann sich zu informieren über Möpse und ihre Krankheiten, sie sprach mit Experten und las viel. Sie konsultierte sieben Ärzte in Deutschland und zwei in Österreich und gab Tausende Euro aus, bis Sir Henry geheilt war. "Das ist wie bei einem kranken Kind", sagt Uschi Ackermann: "Du liebst es umso mehr und verhätschelst es auch."

Dann verklagte sie den Händler, von dem sie Sir Henry gekauft hatte. Er musste 1.100 Euro Strafe zahlen und für die Prozess- und Tierarztkosten aufkommen. Ackermann weiß bis heute nicht, wo Sir Henry geboren wurde, die Papiere waren gefälscht, vermutlich stammt auch er von einem osteuropäischen Hinterhof. Inzwischen engagiert sich Uschi Ackermann, die ihrem Hund einen Smoking anzieht, Mopspartys schmeißt und Schönheitswettbewerbe organisiert, für den Tierschutz.

Sie holte ihren zweiten Mops, das Julchen, das nur ein Auge hat, aus einem Tierheim. Sie spendete mehrere Tausend Euro an Tierheime in Nürnberg, Bonn und München und den Deutschen Tierschutzbund. Sie gewann einen Tierschutzpreis vom Tierschutzbund. Sie unterstützt andere Hundebesitzer, die Züchter und Händler verklagen. Und sie schickt viele Mopsbesitzer zu Professor Oechtering nach Leipzig, manchen bezahlt sie sogar die Operation.