DIE ZEIT: Frau Ferres, Sie haben lange überlegt, ob Sie über dieses Thema reden wollen. Was ist Ihr Anliegen in diesem Interview?

Veronica Ferres: Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wahnsinnig wütend darüber, was meiner Familie angetan wurde, und ich bin sehr erleichtert, dass die Wahrheit ans Licht gekommen ist.

ZEIT: Es geht um das Buch Mein Auftrag: Rufmord von Stefan Schabirosky, in dem er enthüllt, dass er jahrelang eine Schmutzkampagne gegen die Firma AWD Ihres Mannes Carsten Maschmeyer geführt hat, bezahlt von dem größten Konkurrenten der AWD, der Deutschen Allgemeinen Vermögensberatung (DVAG). Schabirosky ist ein Insider, er hat jahrelang bei der AWD gearbeitet.

Ferres: Ich kann Herrn Schabirosky nicht beurteilen, das ist sicher ein Mann, der mit größten manipulativen Fähigkeiten agiert hat. Was ich aber noch viel skandalöser finde, ist, dass dieser Mann in dieser Weise ja nur tätig werden konnte, weil Friedrich Bohl – immerhin früherer Kanzleramtsminister – diesen Mörder, ja, ich nenne ihn so, weil Rufmord eine Form des Mordes ist, auf diesen teuflischen Weg geschickt hat und ihm viel Geld dafür bezahlt hat, meinen Mann und seine frühere Firma zu seinem eigenen Wettbewerbsvorteil kaputt zu machen.

ZEIT: Friedrich Bohl, früher Kanzleramtsminister bei Helmut Kohl, ist der Aufsichtsratsvorsitzende der DVAG.

Ferres: Seine Unterschriften stehen unter den Verträgen mit diesem Mann. Das kann keiner leugnen. Die Gelder, die Rede ist von 500.000 Euro, an den Rufmörder wurden sogar von den Steuerzahlern (weil als Betriebsausgaben geltend gemacht) mitfinanziert. Ein Konkurrent will den ihn überholenden Konkurrenten vernichten: Das ist für mich höchste Wirtschaftskriminalität und menschlich zutiefst verwerflich.

ZEIT: Sie sagten: was Ihrer Familie angetan wurde. Können Sie das erklären?

Ferres: Mein Mann stand jahrelang am Pranger, die initiierten bösen Presseberichte mit brutalen Schlagzeilen prasselten auf ihn ein. Präsentiert wurden die manipulierten Geschichten sehr oft auch mit meinem Foto, weil es sich so besser verkauft hat. Man hat mir aufgelauert am Filmset, mich haben Reporter auf Filmpremieren verfolgt, immer mit der Frage: Was sagen Sie zu den Vorwürfen gegen Ihren Mann? Ich habe einen ganzen Aktenordner, voll mit schlimmsten Beschimpfungen. Da waren harte Drohungen dabei, Mails wie zum Beispiel: Wenn du den Mann nicht verlässt, vergraben wir dich als Leiche im Wald. 2011 gab es einen Werbevertrag, der kurz vor dem Abschluss stand und dann doch nicht zustande kam.

ZEIT: Mit welcher Begründung?

Ferres: Frau Ferres, Sie müssen verstehen, Ihre Bilder und die negativen Geschichten von Herrn Maschmeyer, das passt nicht zu uns. So was bekam ich zu hören. Es gab zwei Filmleute, die sagten: Mit der Frau dieses Mannes drehe ich im Moment lieber nicht. Aber das habe ich alles ausgehalten, dafür will ich kein Mitleid. Das Schlimmste war nämlich etwas ganz anderes.

ZEIT: Was meinen Sie?

Ferres: Das Schlimmste war, wie es unseren Kindern ergangen ist.

ZEIT: Sie haben eine Tochter mit in die Ehe gebracht, Carsten Maschmeyer zwei Söhne.

Ferres: Meine Tochter ist im wahrsten Sinne des Wortes mein Bauchkind, die beiden Jungs sind meine Herzenskinder. Sie wurden ausgegrenzt und teilweise richtig angefeindet, in der Schule, im Sportverein, auf dem Spielplatz, für das, was ihrem Vater angedichtet wurde. (Sie macht eine lange Pause) Wir mussten immer wieder mit den Kindern reden, ihnen erklären, dass die Vorwürfe nicht stimmen, damit sie alles aushalten konnten. Es war schrecklich. Ich will jetzt nicht weiter darüber reden, weil mich nur die Erinnerung daran so aufwühlt.