Lektion 1: Grundbedürfnisse abdecken

Eines vorneweg: Die Glücksforschung boomt, die "World Database of Happiness" des niederländischen Soziologen Ruut Veenhoven nennt allein 11.500 Studien. Aber bei der Frage, wie Geld und Glück zusammenhängen, gibt es in der Wissenschaft viele Kontroversen. Schon deshalb, weil Glück schwierig zu fassen ist. Man muss es definieren und sich überlegen, wie es sich sinnvoll messen lässt.

Wenn es um das Einkommen geht, fragen Forscher ihre Probanden oft, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, gemessen an ihren Wünschen, Zielen oder Erwartungen. Kognitives Wohlbefinden nennt man das. Damit grenzen die Wissenschaftler es ab vom eher flüchtigen Glücksmoment.

Welchen Einfluss hat nun das Einkommen auf dieses Wohlbefinden? Wäre dieser Text vor ein paar Jahren erschienen, wäre die Antwort so ausgefallen: Ein jährliches Bruttoeinkommen von etwa 64.000 Euro reicht, weil danach mit wachsendem Einkommen die Zufriedenheit kaum noch steigt. Behauptet haben das der Ökonom Angus Deaton und der Psychologe Daniel Kahneman, und die beiden sind immerhin Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Allerdings fanden andere Forscher diese Erkenntnis nicht bestätigt.

Einig sind sich Wissenschaftler darin, dass mit steigendem Einkommen auch die Zufriedenheit wächst. Allerdings flacht der Zuwachs dabei immer weiter ab, bis er irgendwann praktisch bei null ankommt. Wer sehr viel verdient, dem bringen die zusätzlichen Euros weniger als jemandem, der wenig verdient.

Das gilt auch für Staaten als Ganzes. In ärmeren Staaten nimmt mit wachsendem Volkseinkommen die Zufriedenheit beinahe sprunghaft zu. Steigt in reicheren Ländern hingegen das Einkommen, wächst die Zufriedenheit kaum mehr. Der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel, Ökonomie-Professor an der TH Nürnberg, erklärt das damit, dass Menschen vor allem zufriedener werden, wenn sie grundlegende Bedürfnisse wie Essen, Wohnen und Hygiene befriedigen. Alles, was danach kommt, steigert das Glücksgefühl wenig. "Gerade in den Industrienationen wird das Materielle stark überschätzt", sagt Ruckriegel.

Das gilt auch für den Lottogewinn. Viele Menschen glauben, dass sie sehr glücklich wären, wenn sie Millionäre würden. Aber Befragungen zeigen immer wieder, dass Lottogewinner nach einiger Zeit auf ihr altes Glücksniveau zurückfallen. Nachdem die Euphorie über das viele Geld und den neuen Lebensstandard abgeklungen ist, sind sie also ähnlich dran wie vor dem Gewinn. Laut Claudia Hammond, die für ihr Buch Erst denken, dann zahlen zahlreiche Studien zur Psychologie des Geldes durchforstet hat, liegt das vor allem daran, dass Menschen sich an einen Lebensstandard gewöhnen. Das riesige Haus entzückt sie bald nicht mehr, der Bentley wird zur Normalität. Hammond rät Menschen, die plötzlich viel Geld erhalten, ihren Komfort nur sehr langsam zu erhöhen, statt gleich in die Welt der Superreichen abzudriften. Auf diese Weise können sie den Lottogewinn über viele Jahre voll auskosten.

Das ist eine Strategie, die man auch ohne Lottogewinn ausprobieren kann, wenn das Gehalt sprunghaft steigt oder man zum Beispiel eine Erbschaft macht. Oder indem man früh im Leben zu sparen anfängt und später im Leben langsam den Konsum hochfährt.