Selbst den Weg zur Arbeit – oft ein großer Zeitfresser – sollte man daher hinterfragen, erklärt der Glücksforscher Ruckriegel. "Pendeln ist für viele Menschen ein sehr großer Stressfaktor." Wäre es angenehmer, auf die Bahn umzusteigen? Oder einen Job in der Nähe des Wohnorts zu suchen? Kommt ein Umzug infrage? Der Kauf einer neuen Immobilie kann schon aus diesem Grund eine Investition in das eigene Glück sein. Auch schätzen sich die meisten Deutschen glücklicher, wenn sie ihre Bleibe besitzen, als wenn sie mieten, wie eine Umfrage der Uni Hohenheim ergeben hat.

Lektion 4: In Vorfreude investieren

Sich auf etwas zu freuen kann glücklich machen. Das leuchtet nicht sofort ein, denn Warten kann schließlich auch nerven. Aber Studien liefern viele Belege dafür, dass die Menschen vor einer Reise oder einem Konzert oft am glücklichsten sind. Je konkreter die Erwartungen, desto mehr hebt sich die Laune. Es könnte sich also lohnen, den Sommerurlaub schon im Januar zu buchen und sich in den nächsten Monaten immer wieder mental auf die Reise zu begeben. Den Frühbucherrabatt kann man auf diese Weise natürlich auch mitnehmen.

Es gibt sogar Hinweise darauf, dass durch die Vorfreude das Erlebnis selbst schöner wird. In einer Untersuchung machte ein Videospiel den Studenten einer kalifornischen Universität mehr Spaß, wenn sie sich vor dem Spiel eine Minute lang vorstellten, wie schön das Daddeln werden würde. Sie gerieten vorher schon ins Schwärmen und bewerteten das Spiel selbst am Ende des Versuchs auch besser.

Allerdings trübt sich die Erwartung auf ein Ereignis ein, wenn man es auf Pump finanziert. Schulden verursachen umso mehr Stress, je größer das Risiko ist, einen Kredit nicht oder nur unter Schwierigkeiten zurückzahlen zu können. Wer dazu neigt, zu viel auszugeben, der sollte auf Claudia Hammond hören. Sie beschreibt eine Studie, in der Wissenschaftler Studenten die Summe aufschreiben ließen, die sie für die Eintrittskarten eines Basketballspiels ausgeben würden. Einige der Studenten sollten in bar zahlen, andere mit Karte. Es zeigte sich, dass die Kartenzahler im Schnitt mehr als das Doppelte für die Eintrittskarten boten. Hammond folgert daraus, dass es für viele Menschen schmerzhafter ist, Bargeld wegzugeben, als mit einer Karte zu bezahlen. Sie rät dazu, sich bei einem größeren Einkauf vorzustellen, wie es wäre, die Geldscheine zu stapeln. Oder eben gleich bar zu zahlen. Dann kann der Verzicht auf den Kauf glücklicher machen als der Kauf selbst.

Lektion 5: Spenden und stiften

Ob Geschenke, Spenden oder Stiftungen: Geld für andere auszugeben macht viele Menschen glücklicher, als wenn sie es für sich selbst nutzen. Dabei ist es zweitrangig, wie viel verschenkt, gespendet oder gestiftet wird. Gallup, ein weltweit tätiges Meinungsforschungsinstitut, hat vor einigen Jahren mehr als 200.000 Menschen in 136 Ländern befragt, ob sie im vergangenen Monat Geld gespendet haben und wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. In 120 der Staaten waren diejenigen glücklicher, die etwas gespendet hatten. Dabei war es egal, ob es ein armes oder ein reiches Land war oder wie viel Einkommen die Befragten hatten.

Experimente bestätigen das eindrücklich. Zum Beispiel der Versuch einer Forschergruppe um Elizabeth Dunn, in dem Probanden zehn Dollar erhielten und entscheiden konnten, ob sie das Geld behalten oder mit jemandem teilen wollten. Im Schnitt verschenkten sie 4,48 Dollar, also etwas weniger als die Hälfte. Die Forscher fragten die Teilnehmer während des Versuchs auch, wie sie sich mit ihrer Entscheidung fühlten. Es zeigte sich: Je mehr die Menschen verschenkt hatten, desto glücklicher waren sie in ihrer eigenen Wahrnehmung.

Außerdem nahmen die Forscher Speichelproben der Probanden, um das Stresshormon Cortisol darin zu messen. Dabei kam heraus: Diejenigen, die sich für ihre Entscheidung schämten, hatten im Schnitt einen höheren Cortisol-Spiegel, waren also gestresster. Die Wissenschaftler vermuten, dass Teilen sozial erwünscht ist und deshalb jene Teilnehmer unglücklicher waren, die das Geld für sich selbst behielten. In diesem Sinne sind öffentliche Spendengalas also genau das richtige Format, um nicht nur Spendenempfänger, sondern auch Spender froh zu machen.

Der Mensch ist zum Teil ein soziales Wesen. Wenn er schenkt, spendet oder Freunde einlädt, fühlt er sich mit anderen Menschen verbunden. Besonders groß ist das Zufriedenheitsgefühl nach einer Spende, wenn man nachvollziehen kann, was das Geld konkret bewirkt. Also gilt es, etwa dem örtlichen Kindergarten neue Spielsachen zu schenken oder beim Flüchtlingsheim zu fragen, was benötigt wird. Außerdem schlagen die Autoren vor, dass wir unseren Freunden solche Geschenke machen, die wahrscheinlich die Beziehung vertiefen, sie also beispielsweise zu gemeinsamen Ausflügen einladen.

Am Ende läuft es eben doch oft darauf hinaus: Mit Geld kann man sich keine Liebe kaufen – da haben die Beatles recht. Aber man kann sich Zeit kaufen, um die Liebe zu genießen. Und man kann sich und seinen Liebsten die Dinge gönnen, auf die man sich gemeinsam freuen kann.