Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Manche Dinge, man kann es nicht anders ausdrücken, sind einfach schleierhaft. Und um diesen Schleier zu lüften, gibt es nur eine Möglichkeit: Gesicht zeigen. Darum tritt auch am nächsten Sonntag ein Gesetz in Kraft, das für klare Verhältnisse sorgen wird. Es handelt sich um das sogenannte Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (kurz AGesVG), einen nahen Verwandten des Vermummungsverbots aus dem Versammlungsgesetz.

Allerdings wirft die neue Vorschrift einige Fragen auf. Gilt der weitverbreitete Dreitagebart bereits als Gesetzesübertretung? Muss ein Hipster nach polizeilicher Aufforderung seinen Vollbart auf der Stelle entfernen, und werden die Sicherheitsorgane deshalb mit speziellem Rasierzeug ausgerüstet?

Das AGesVG, das der Volksmund zu einem Burkaverbot verkürzt hat, soll das Land vor einer flächendeckenden Ausbreitung der radikalen Auslegung des Islams und folglich auch vor Terrorismus schützen. Interessant, dass bei verschleierten Frauen zuerst an Terrorismus und nicht an Unterdrückung gedacht wird. Das Nachrichtenportal des ORF schrieb in diesem Zusammenhang sogar von einem "Geschichtsschleier". Mit dieser Wortschöpfung soll vermutlich darauf hingewiesen werden, dass diese Art der Kleidung historisch nicht immer und überall im Islam verbürgt ist und dass sich in keiner Sure des Korans ein exaktes Modediktat findet.

Es ist daher schleierhaft, weshalb gewisse Wüstensöhne auf die Vollverschleierung der Frauen bestehen. Damit ist jetzt aber in Österreich Schluss. In den Durchführungshinweisen des AGesVG findet sich die Anordnung, der Haaransatz müsse stets sichtbar sein. Gilt nun also ein Toupet bereits als Gesetzesübertretung? Was aber, wenn überhaupt kein Haaransatz mehr vorhanden ist? Müssen daher ab nun alle Skinheads die Straße meiden, was zwar ein begrüßenswerter Kollateraleffekt des Gesetzes wäre, aber wenig mit der ursprünglichen Intention zu tun hätte?

Zum Glück werden einige Ausnahmen toleriert, und zwar wenn im Namen von Kultur und Tradition das Gesicht verdeckt wird. Faschingsumzüge, Perchtenläufe und Weihnachtsmänner dürfen deshalb zu bestimmten Zeiten weiterhin die Öffentlichkeit unsicher machen. Ungewiss allerdings, ob auch das Jahrestreffen des Darth-Vader-Fanclubs unter diese Ausnahmebestimmung fällt. Eigentlich muss schon von klein auf begonnen werden. Ist nicht der Babyschnuller bereits der erste Schritt hin zur Gesichtsverschleierung? Wehret den Anfängen! Ein entsprechendes Verbot wird Österreich viel sicherer machen. Ganz bestimmt.