Ein MBA in der Elternzeit? Kein Problem. Wenn man gut organisiert ist – und Glück hat.

Einmal wurde es knapp. Da hetzte Laura Emrich aus dem Stillraum der Uni zurück ins Seminar, wo ihre Arbeitsgruppe gerade in der Krise steckte. Sie hatten eine fiktive Presseabteilung aufgebaut und mussten nun spontan eine Pressekonferenz geben. Laura Emrich war nicht vorbereitet. "Aber so ist es in der Arbeitswelt ja manchmal auch", sagt sie.

Laura Emrich, 32, hat ihre Elternzeit genutzt, um einen MBA – einen Master of Business Administration – zu absolvieren. Direkt nach der Geburt des Kindes hat sie den Teilzeit-Studiengang an der HHL Leipzig Graduate School of Management abgeschlossen. Neugeborenes und Weiterbildung: "Das gab mir einen energetischen Schub."

Laura Emrichs Fall klingt ungewöhnlich, aber es gibt ihn immer öfter. Sie selbst kennt allein an der HHL vier Frauen, die während des Studiums Kinder bekommen haben. Die Business School führt zwar keine Statistik, aber die Verantwortlichen bestätigen diesen Trend. 15 bis 20 Prozent mehr Teilnehmer in Elternzeit habe es in den vergangenen fünf Jahren gegeben. Die HHL bietet ihrerseits den Studenten an, das Programm flexibel zu gestalten. Wenn Laura Emrich Kind und Studium zu viel geworden wären, hätte sie ein Urlaubssemester nehmen können.

Auch der MBA hat sich verändert. Konzipiert wurde er als Programm für die besonders Ehrgeizigen. Bis heute genügt allein der Lesestoff, um die Studienzeit auszufüllen. Dazu kommen Gruppenarbeiten und Fallstudien, die den Kurs zusammenschweißen sollen. Schließlich werben die Anbieter auch mit dem beruflichen Netzwerk, dass sich während des Studiums bildet.

Lange schien es unmöglich, dieses Pensum in Teilzeit zu absolvieren, doch mittlerweile bieten Hochschulen an, einen MBA mithilfe von Wochenendseminaren zu machen, etwa die MBS Mannheim, die WHU Vallendar und die EMTS Berlin. Fast alle von ihnen haben auch Alumni, die im Studium eine Familie gegründet haben.

Laura Emrich wollte die Elternzeit ohnehin zur beruflichen Neuorientierung nutzen. Sie hat BWL und Kunst studiert und nach dem Bachelor erst bei der Kunstsammlung der Deutschen Bank gearbeitet, dann bei einer Beratung. Mehr Karriere, sagt Emrich, sei nur mit einem weiteren Abschluss möglich gewesen. "Dass ich an die Uni zurück muss, war daher klar." Sie begann das Teilzeitstudium an der HHL zunächst neben ihrer Arbeit und stellte fest, dass sich das gut verbinden ließ. "Warum also nicht mit einem Kind? Das ist ja auch ein Vollzeitjob", sagt sie.

Knapp vier Wochen nach der Geburt saß Emrich wieder im Seminar. "Ich fand es positiv, nach der intensiven Zeit mit dem Kind auch etwas anderes zu machen." Vier- bis fünfmal am Tag brachte ihr Mann den Sohn zum Stillen vorbei. Die Kommilitonen hatten Verständnis, aber Laura Emrich hatte auch den Ehrgeiz, genauso zuverlässig zu arbeiten wie alle anderen.

Kind und Weiterbildung. Das passt zum Schlagwort des "lebenslangen Lernens" und dem Zeitgeist. Mit Elterngeld Plus und Teilzeit in Elternzeit gibt es Möglichkeiten, die Spanne nach der Geburt flexibel zu gestalten. Dieter Rommel, Studienberater an der ESB Reutlingen, gerät sogar ins Schwärmen, wenn es um das Aufbaustudium in der Elternzeit geht. "Ein Part-Time-MBA kann eine Win-win-Situation für alle in der Familie sein. Man kann sich mit dem Partner abstimmen, selbst wenn der unter der Woche arbeitet", sagt Rommel.

Trotzdem: Ein Kind während des MBA zu bekommen ist gewagt. Denn Scheitern ist teuer. Vollzeitprogramme kosten häufig über 30 000 Euro. Teilzeitmodelle sind nur manchmal günstiger. Zwar bieten alle Business Schools Stipendien und Finanzhilfen an, aber meist muss man dafür erst verbindlich immatrikuliert sein.

"Für viele Frauen ist es schön, nicht nur zu stillen und Windeln zu wechseln", sagt Familientherapeutin Monica Streicher-Pachmann von der Beziehungswerkstatt Jena. "Wenn die Mutter damit glücklich ist, dann kann eine Weiterbildung in der Elternzeit eine gute Idee sein." Allerdings hänge es von vielen Faktoren ab: Was kann der Partner übernehmen? Gibt es ein soziales Netzwerk? Ist die Fortbildung erfüllend – oder baut sie Druck auf? Frauen in der Schwangerschaft rät Streicher-Pachmann, sich nicht zu stark festzulegen. "Immer einen Plan B haben", ist ihr Tipp. "Sonst ist man frustriert, wenn es nicht so klappt wie vorgestellt."

"Mich hat der finanzielle Druck motiviert, es durchzuziehen", sagt Laura Emrich. Ein Stipendium half ihr zusätzlich. Aber auch sie hätte das Studium gar nicht erst begonnen, hätte ihr Sohn nicht von Beginn an gut geschlafen und sich ihr Mann nicht so viel gekümmert. "Sonst hätte ich es nicht gepackt, da kann die Uni noch so viele Hilfen bereitstellen." Auf diese Weise aber hat sie ihren MBA sogar zwei Monate vor Ende der Elternzeit abgeschlossen. Nur eines wollte nebenher nicht gelingen: der Haushalt. "Der muss einem wurscht sein", sagt Laura Emrich und lacht.