Zu Hause, ich gebe es zu, steht eine Nazi-Schüssel im Küchenregal. Dreht man sie auf den Kopf, erscheint ein Hakenkreuz. Die Nazi-Schüssel ist zwar nicht so imposant wie die Hitler-Glocke in Herxheim, auf der "Alles fürs Vaterland / Adolf Hitler" prangt. Und sie läutet auch nicht im Stundentakt. Dafür ist sie, anders als die Hitler-Glocke, noch da. Die Glocke wurde ja rückstandsfrei entnazifiziert.

Wie das Kreuz unter die Schüssel und die Schüssel ins Regal kam, weiß ich nicht. Wahrscheinlich habe ich nur Befehle ausgeführt; in meinen Beziehungen war ich ja stets nur das kleine Rädchen.

Als ich einst das Hakenkreuz unter der Schüssel entdeckte, überlegte ich kurz: Trommele ich jetzt meine Familie, die Nachbarn, die Kollegen und die Antifa zusammen, recke die Nazi-Schüssel in die Höhe, rufe "Nie wieder Faschismus – Gott segne Rheinland-Pfalz!" – und lasse den Unhold aus dem fünften Stock auf den Innenhof-Beton knallen? Oder mache ich da Salat rein? Ich habe mich fürs Reinmachen entschieden.

Und jedes Mal, wenn ich jetzt das Dressing über die Salatblätter in unserer Nazi-Schüssel verteile, denke ich: Ach, wie schön ist er doch, der Endsieg des Lollo rosso über Adolf Hitler.