So viele Sorten Liberalität mussten sich selten miteinander auf Verbindlichkeit einigen: Die freien Wahlen haben soeben vier Freiheitsparteien an den Tisch zum Verhandeln geschickt, deren höchst moderne Vorstellungen von Freiheit hinreißend unterschiedlich, aber auch zum Zerreißen verschieden sind. Da sitzt der Freihandel nun neben den bürgerlichen Freiheitsrechten, der Marktfreiheit und dem Freistaat, der liberale Kosmopolitismus nebst universellen Menschenrechten neben den Freiheitsrechten der künftigen Generationen. Und all diese Freiheiten sind gebürtig im modernen Staat, der sich mit seinen Institutionen und der Gewaltenteilung als Garant einer Freiheitsordnung versteht. In der sollen die Rechte des Bürgers zur Teilhabe am Willensbildungsprozess ebenso garantiert sein wie die Grundrechte mit Freiheiten, die kein Privatmensch freiwillig aufkündigen kann: Würde, Recht auf Leben zum Beispiel.

Das Wort spannend trifft die Freiheitskämpfe im Vierer-Jamaika-Bündnis genau, denn es spannt ja erheblich: Die global-liberalisierte CDU mag Abschottung und Protektionismus nicht und macht mit der Freizügigkeit beim Waren-, Geld-, Meinungs- und Menschen-Verkehr möglichst Ernst; daneben die kleine CSU aus dem Freistaat, sie macht vor allem, gut republikanisch, mit der anarchischen Unabhängigkeit kleiner Schwestern gegenüber allen anderen Anwesenden Ernst; die Liberalen der FDP wollen den neoindividualistischen Mix aus Selbstbestimmung, Markt, Smartphone, Leistung, mithin in möglichst viele Richtungen freie Fahrt, die Bündnisgrünen hingegen vertreten die Freiheitsrechte der kommenden Generationen plus Lerchen und Regenwald und fordern daher einen Staat, der die Märkte ordoliberal reguliert: weil der Klimawandel der traurigste Beleg totalen Marktversagens ist.

Bliebe da irgendetwas Gemeinsames übrig, in aller Freiheit? Doch. Etwas Verbindendes findet sich auf den Grafiken, in denen die Wählerstimmen-Analysen nun regionale Farbteppiche bilden: Jamaika liegt im Westen. Nur in den westdeutschen Bundesländern haben diese Facetten des Liberalen eine regierungsfähige Mehrheit erreicht. In Ostdeutschland nicht. Dort ist in jedem Wahlkreis das neue Freiheits-Quartett in der Minderheit gegenüber Varianten, in denen der Staat dem selbstbestimmt marktmobilen Individualismus Grenzen setzt. Sogar die ostdeutschen Erstwähler haben Jamaika nur 41 Prozent ihrer Stimmen gegeben, im Westen hingegen sind es unter den Erstwählern klare 54 Prozent. Will man dieses Votum der Prägung durch den Sozialismus ankreiden? Die ostdeutschen Erstwähler sind in der freien Marktwirtschaft geboren, im freiheitlichen Rechtsstaat groß geworden. Nach Jamaika führt sie das offenbar nicht.