Schnell noch mal hin, solange es Plätze gibt. Dahin, wo es begann. Wenn am Samstag im Fernsehen Schlag den Star anläuft, schafft Steffen Henssler etwas, das bis jetzt noch keinem deutschen Koch beschieden war: ein Prominenter zu werden, jenseits seines Berufs. Schon jetzt berichten die Medien vor allem über seinen Sportwagen oder seinen bizarren Streit mit Boris Becker. Bald wird man sich überhaupt nur mehr daran erinnern, dass er mal irgendwann was mit Sushi gemacht hat.

Sein erstes eigenes Restaurant ist noch dort, wo er es gemeinsam mit seinem Vater 2001 aufmachte: in der Großen Elbstraße. Das war damals eine raue Gegend, und das Restaurant nahm die Stimmung auf: Werkshallenchic, Lärm, rasende Kellner und schwitzende Köche, die hinterm Tresen Speisen montierten, die Hamburg bis dahin nicht kannte.

Heute wirkt es beinah friedlich. Man versteht die Gespräche nebenan ("He has problems with the Achillesferse"), die anerkennenden Rufe der Gäste, die das dampfende Dessert mit Trockeneis bekommen. Der Star ist natürlich nicht da, aber Rocky Henssler, einer seiner jüngeren Brüder, geleitet liebenswürdig zum Tisch.

Die Website des Hauses doziert über die "wichtigsten Einflüsse der Hensslerschen Kochphilosophie". Man kann es auch schlichter erzählen. Henssler hatte Glück – und zwar im Lotto. Fünf Richtige verhalfen ihm vor 19 Jahren zu einem Platz in der Sushi Academy in Kalifornien, wo damals eine aufsehenerregende Fusionküche entstand. Vor allem hatte er die Beharrlichkeit, diesen Stil den Hamburger Verhältnissen anzupassen und makellos umzusetzen.

Einige Gerichte der Anfangszeit stehen noch auf der Karte. Immer wieder ein Spaß: der Oyster Shooter, auf ex zu trinken. Außer der Auster schluckt man eine wilde Mischung aus Chili, Rogen, Tomatensaft, Gurke und japanischem Pfeffer. Oder ein Nachtisch: das Kokosparfait mit quietschsaurer Passionsfruchtsuppe, serviert in der Schale auf reichlich Eis. Die neueren Kreationen wirken daneben mitunter bemüht, etwa der Latte macchiato vom Thunfisch, der mit seinen Kirschen und Kakaosplittern eher an ein Stück Torte erinnert.

Zwei Tipps für alle, die zum ersten Mal hier sind: Bestellen Sie die Gänge einzeln; sonst geht es Schlag auf Schlag. Und lassen Sie die Hauptspeise weg; die kleinen Teller sind interessanter.

Die Sushi? So gut wie früher. Nur ist die Konkurrenz viel härter geworden. Aber Henssler hat richtig erkannt, dass auf dieser Bühne für ihn nichts mehr entschieden wird. Für seine neuen Fans hat er das Ahoi eröffnet, einen Imbiss, dessen Küche niemanden überfordert: Ein Museum mit essbaren Exponaten aus dem Vorleben des Fernsehstars.

Henssler & Henssler, Große Elbstraße 160, Altona. Tel. 040.38 69 90 00, www.hensslerhenssler.de. Geöffnet montags bis samstags 12–15 Uhr und 18–23.30 Uhr. Hauptgerichte um 25 €.