Was macht man, wenn man Präsidentin der USA werden wollte und gegen einen Mann mit gelber Hamsterfellfrisur verloren hat? Wenn die sinnvollste Tätigkeit nun darin besteht, zu Hause die Schränke aufzuräumen? Hillary Clinton hat sich fürs Beten entschieden. In ihrem neuen Buch What Happened setzt sie sich mit ihrem Glauben auseinander. Viele Beobachter mag das überraschen. Denn Clinton prallte im Wahlkampf ausgerechnet an den Christen ab. Nun schreibt sie darüber, wie sie nach ihrer Niederlage in religiösen Schriften Trost fand (und im Chardonnay, aber das ist eine andere Geschichte). Beim deutschen Theologen Paul Tillich las sie von Gnade in Zeiten des Schmerzes, beim holländischen Jesuiten Henri Nouwen von der Disziplin der Dankbarkeit.

Disziplin, das ist ein interessantes Wort. Clinton, die bereits den Ehebruch ihres Mannes stoisch durchlebte, lässt sich nicht gehen. Sie ist in einem methodistischen Haushalt aufgewachsen. Schon ihre Mutter arbeitete sich nach oben, trotz schwierigster Verhältnisse. Der Glaube ist eine Methode, die Kontrolle zurückzugewinnen. Er ist würdiger, als – sagen wir mal – ständig anderen die Schuld für das eigene Verlieren zu geben. Und er bietet Perspektive. Das Himmelreich ist unbegrenzt. Man munkelt, Hillary Clinton wolle jetzt Predigerin werden.