Sind die islamischen Religionslehrer in Deutschland zu unkritisch gegenüber ihrem Glauben? Das legt eine neue Studie nahe.

Vor sechs Jahren wurden an deutschen Universitäten Zentren für Islamische Theologie eingerichtet. Vor allem Lehrer für den islamischen Religionsunterricht sollten dort ausgebildet werden. Bis dahin war die religiöse Unterweisung der Dreiviertelmillion muslimischen Schüler in Deutschland den Moscheevereinen überlassen geblieben. Deren Imame kamen meist aus der Türkei, sprachen kein Deutsch und vermittelten ein gestriges Islambild. Entsprechend groß waren die Erwartungen an das neue Fach. Die Islamstudien sollten ein Meilenstein für die Integration sein. Die damalige Bildungsministerin Schavan erhoffte sich eine Theologie, die es schafft, Religion in die Gegenwart zu übersetzen.

Genau damit scheinen aber viele Studenten ihre Schwierigkeiten zu haben. In ihrer qualitativen Studie fragten die Universitäten Osnabrück und Vechta nun nach den Einstellungen der angehenden Religionslehrer. Das Ergebnis: Ein Großteil der Befragten sieht sich als reine Wissensvermittler, die nur die Tradition weitergeben wollen. Zudem betrachten sie den Islam als beste aller Religionen.

Das Fazit des Studienleiters Rauf Ceylan von der Uni Osnabrück: Die Studenten müssen besser darauf vorbereitet werden, Schüler zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Religion zu befähigen.

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Erfahrungen von Professoren: Viele Studenten würden nach Glaubensvertiefung streben, nicht nach wissenschaftlichem Arbeiten. Auch weil sie glaubten, dass es in der islamischen Tradition verboten sei, sich über den Koran eine eigene Meinung zu bilden. Schlechte Voraussetzungen für aufgeklärten Religionsunterricht.

Man darf nicht den Fehler machen, überhastet Islamlehrer zu rekrutieren, nur um das Fach schnell flächendeckend einführen zu können. Wichtiger ist die sorgfältige Auswahl und Ausbildung. Denn diese Lehrer prägen das Denken der kommenden muslimischen Generation in Deutschland.