Ein solches Bündnis hat Deutschland noch nicht regiert: Schwarz-Grün-Gelb für Schwarz-Rot-Gold. Noch steckt den Parteien die Wahl in den Knochen, alle müssen sich zurechtschütteln. Und alle spüren: Es liegt etwas in der Luft, etwas Neues.

Im neuen Bundestag werden 709 Abgeordnete aus sieben Parteien sitzen, so viele wie noch nie in der Geschichte der Republik. Zum ersten Mal zieht eine rechtspopulistische Kraft ins Parlament ein, und zwar nicht wie damals die Linke tröpfchenweise. Es ist annähernd eine Hundertschaft, die nun ihren Platz beansprucht, im Wortsinn und politisch.

Und als wäre das nicht schon schockierend genug, haben die Deutschen ihren Politikern auch noch eine Aufgabe der Titanklasse aufgegeben: Die Wählerschaft ist nach rechts gerückt, die anscheinend einzig mögliche Regierung ist aber eine, die zu Teilen links von der Mitte steht. Wie kann dieser Graben überbrückt werden?

Diese Aufgabe muss nun vor allem die Kanzlerin lösen. Eigentlich wollte Angela Merkel in ihrer wohl letzten Amtsperiode ihre Freiheit zurückerobern. Auch die Freiheit, aus eigenen Stücken aufzuhören, wie sie es immer vorhatte. Nun startet sie als die Parteivorsitzende, die das schlechteste Ergebnis der CDU seit Kriegsende zu verantworten hat. Um da jemals gut rauszukommen, muss sie vor allem reinkommen in ein Jamaika-Bündnis. Und die kleinen Partner, FDP und Grüne, wollen nicht bloß nicht dasselbe – sie wollen in vielen Bereichen sogar Gegensätzliches.

Jamaika ist die Koalition, die keiner möchte, die aber alle erreichen müssen. Und das ist noch nicht einmal die größte Hürde. Denn in Wirklichkeit geht es nicht um drei, sondern um vier Parteien: zwei schwarze, eine grüne, eine gelbe. Dass die eine schwarze – die CDU – die größte im Quartett ist und die andere – die CSU – die allerkleinste, macht die Sache nicht einfacher. Nicht die natürlichen Konkurrenten haben derzeit die härtesten Probleme miteinander, sondern die natürlichen Verbündeten.

Die CSU will nach rechts rücken. Die CDU wiederum sieht im schlechten Abscheiden der bayerischen Schwester den Beleg dafür, dass dieser Weg in den Abgrund führt. "Unsere Analyse", sagt einer aus der Fraktionsspitze, "fällt diametral entgegengesetzt aus." Deshalb steht am Anfang aller Sondierungen eine schwarz-schwarze Sortierung.

"Bisschen entglitten": Seehofers Nach-vorne-Verteidigung

Wenn’s brenzlig wird, taucht Horst Seehofer gerne ab. In diesen Tagen aber ist er pünktlich zur Stelle, die Lage muss ernst sein. Niemand in der CSU hat mit einem solchen Wahlergebnis gerechnet: 38,5 Prozent, ein Minus von 10,5 Prozentpunkten. Nichts an Seehofers Strategie ist aufgegangen. Sein Spitzenkandidat Joachim Herrmann, der eigentlich als neuer Innenminister in Berlin feststand, hat kein Bundestagsmandat gewonnen. Guttenberg als Wahlkampfjoker hat nicht gezogen. Die AfD bekam in Bayern 12,4 Prozent, fast so viel wie im gesamten Bundesgebiet. Seehofers Kalkül, die Rechten dadurch klein zu halten, dass man selbst rechter auftritt als die CDU, hat nicht funktioniert. Die CSU hat sogar noch mehr verloren.

Es habe eine "offene rechte Flanke" gegeben, die müsse man nun schließen, sagt Seehofer am Tag nach der Wahl. Also: mehr von dem, was nicht geklappt hat. In der CSU sieht man es so: Alle Kurskorrekturen in der Flüchtlingspolitik seit Sommer 2015 habe die Kanzlerin mit ihrer Aussage im Wahlkampf konterkariert, sie würde alles wieder genauso machen. Dass Merkel noch einmal kurz vor der Wahl erklärte, eine Obergrenze gebe es mit ihr nicht, wurde in München als Zeichen ihrer Lernunfähigkeit verstanden.

"Wir als CSU müssen es schaffen, das Vertrauen jener Wähler zurückzugewinnen, die dieses Mal nicht für uns, sondern für die AfD gestimmt haben. Dabei ist die Obergrenze für Flüchtlinge einschließlich nachziehender Familienangehöriger nicht nur eine Zahl, sondern vor allem Synonym für eine Flüchtlingspolitik, die von breiten Schichten der Bevölkerung akzeptiert wird", sagt der frühere Parteichef Edmund Stoiber.

Nur: Wie passt das zu einer Jamaika-Koalition, die nun kommen soll, kommen muss, wenn es keine Neuwahlen geben soll?