Früher war das globalisierte Leben so einfach. Wer in Hamburg morgens um kurz nach fünf zum Flughafen musste oder wollte, rief bei einer Taxizentrale an und bestellte einen Wagen. Und der stand pünktlich vor der Tür.

Heute ist es anders. Da kann es sein, dass man hört, leider, es sei kein Taxi frei. Oder man möchte um 7.55 Uhr mit schwerem Gepäck und Kind zum Bahnhof Altona. Und erfährt am Vorabend, das sei um die Uhrzeit schwierig – aber es gebe noch einen Timeslot um 8.20 Uhr. Was den Anrufer nicht vollauf befriedigt, denn dann ist der Zug schon weg.

Einst konnte man telefonisch allenfalls dann kein Taxi buchen, wenn ein Wolkenbruch herniederging. Jetzt wird es offenbar schon im ganz normalen Berufsverkehr schwierig. Muss man demnächst nachts um drei zum Flughafen fahren, weil nur dann ein Timeslot zu kriegen ist? Sollte man erst das Taxi buchen und dann den Anschlusszug oder -flug? Und: Woran liegt das? Ist es die Rache der Taxibranche für all das Carsharing und Stadtradbiking unsererseits?

Vielleicht auch. Tatsächlich werden in Hamburg die Taxis knapp. Waren es zur Jahrtausendwende noch 4.000, fahren jetzt nur noch um die 3.000 herum. Die Zahl der Touren aber ist gleich geblieben – 15 bis 17 Millionen pro Jahr.

"Wenn es noch 500 Taxis weniger werden, wird es eng", sagt Hansataxi-Sprecher Claus Hönig. Das Schrumpfen der Branche liege am Mindestlohn, erklärt er. Viele kleine Unternehmen ohne Anschluss an die Taxizentrale könnten die 8,84 Euro pro Stunde nicht zahlen und müssten darum aufgeben.

Übrig bleiben die Großen wie Hansataxi, die ihren Fahrern einen Auftrag nach dem anderen über eine Telefonzentrale vermitteln können. Dies sei immer noch der bevorzugte Weg, einen Wagen zu bestellen – gerade einmal jede zehnte Fahrt wird über eine App gebucht oder mit erhobenem Arm am Straßenrand. Eine privilegierte Position für die Taxiunternehmer mit Hotline – die, davon können wir ausgehen, wohl wenig Interesse haben, ihren Vorteil durch übermäßiges Einstellen neuer Fahrer zunichtezumachen.

Wir werden uns demnach damit abfinden müssen, dass Taxis – wie die Carsharingautos und Stadträder – zu einer Option werden, auf die man sich umso weniger verlassen kann, je mehr man sie braucht. Und deshalb denken manche Hamburger schon über etwas ganz Verrücktes nach: (wieder) ein Auto anzuschaffen.