DIE ZEIT: Kann Manuel Neuer nach der dritten Verletzung am linken Mittelfuß wieder vollständig genesen?

Ulrich Stöckle: Voraussichtlich ja. Der Knochen sollte völlig normal verheilen und dann auch voll belastbar sein.

ZEIT: Wird er auch wieder wie früher durch den Strafraum hechten können?

Stöckle: Der Fuß wird ihn daran nicht hindern.

ZEIT: Aber der Kopf? Entwickelt ein Athlet nicht Angst vor der nächsten Verletzung?

Stöckle: Eine bereits erlittene Verletzung ist einer der größten Risikofaktoren für eine erneute Verletzung. Deshalb ist ein entsprechendes Präventionstraining wichtig, vor allem aber, dass der Sportler gut betreut wird und sich richtig aufgehoben fühlt. Er muss allen Kollegen vertrauen, die ihn bei der Behandlung und der Regeneration begleiten.

ZEIT: Aber kann Neuer das noch nach dieser Vorgeschichte? Im März wurde ein Haarriss festgestellt, der mit einer Schraube stabilisiert wurde. Nur einen Monat später spielte er wieder – und zog sich einen erneuten Bruch auf Höhe der Schraube zu. Es folgte eine passive Behandlungsphase. Er fiel vier Monate aus – und erlitt gleich nach seiner Rückkehr die nächste Fraktur. Und nun haben auch Sie sich für einen Eingriff entschieden.

Stöckle: So eine Entscheidung erfolgt grundsätzlich in enger Absprache mit dem Teamarzt, dem Spieler und dem Verein.

ZEIT: Für einen Laien klingt die Geschichte von Neuers Behandlung so, als sei man sich nicht sicher gewesen, welche Methode die richtige sei.

Stöckle: Ich kann Sie beruhigen: Sie ist nicht außergewöhnlich. Verletzungen im Mittelfuß kommen bei Profisportlern relativ häufig vor, weil ihre Knochen gerade dort eine maximale Last aushalten müssen. Wichtig ist, dass die Verletzungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.