Der 139. Band der Perry Rhodan-Reihe hat es, vielleicht wegen seiner politischen Aktualität, auf Platz 20 der Bestsellerliste geschafft, Kategorie Hardcover. Einsteins Tränen behandelt die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft und die Schwierigkeit, im Dialog zu bleiben: "Wie aus dem Nichts erscheinen mehr als 10 Milliarden Miniaturerden aus entarteter Energie. Kurz darauf findet sich jeder Mensch auf einer dieser winzigen Erden wieder." Besondere Sorgfalt ist, wie so oft in Perry Rhodan, auf die Komposition wohlklingender Namen verwandt worden: Reginald Bull, Jordan Murgel, Pawel Narwonwor – schade, dass "Carlos Castaneda" schon vergeben war.

Walter Moers, der mit seiner Figur Käpt’n Blaubär für die deutsche Leitkultur ähnlich Wegweisendes geleistet hat wie die Erfinder von Bernd dem Brot, steckt in Prinzessin Insomnia viel Ehrgeiz vor allem in die Vornamen seiner Helden. Hildegunst, Rumo, Havarius: Werdende Eltern können hier manche Anregung finden. Prinzessin Insomnia wird auf eine Reise durchs menschliche Gehirn geschickt, viel gemütlicher als auf den entarteten Miniaturerden geht es da auch nicht zu. Das Ganze erinnert, nicht zuletzt durch seine üppige Aufmachung, an die Bestseller des seligen Michael Ende.

Während Walter Moers und der sympathische Förster Peter Wohlleben sich auf den Bestsellerlisten einen ähnlichen Stammgaststatus erobert haben wie Angela Merkel im Kanzleramt, hat Thomas Middelhoff seinen ersten Erfolgstitel vorgelegt. Auch A 115. Der Sturz schildert eine Reise, die eines Starmanagers von den Paradiesen der Macht in die Hölle einer Gefängniszelle, drei Jahre wegen schwerer Untreue. Dass Middelhoff den Eindruck hat, an ihm sei ein Exempel statuiert worden und die Presse habe ihn vorverurteilt, kann man nachvollziehen. Aber dass er sich in die Nähe von Josef K. aus Kafkas Prozess rückt, qualifiziert ihn für eine gemeinsame Lesereise mit Havarius Hoeneß und Hillary Clinton, Titel: "Die drei Selbstgerechten".

Ein Buch wurde aus politischen Gründen von der Spiegel- Bestsellerliste gestrichen: Finis Germania von Rolf Peter Sieferle. Die Liste führt offenbar nicht mehr alle Bücher auf, die gekauft werden, sondern nur noch Bücher, welche die Spiegel- Redaktion für politisch zumutbar hält. Womöglich gibt es bald im Darknet eine Liste der echten Bestseller, die einen ungeschönten Blick auf die Buchkultur des Landes gestattet. Oder es gibt getrennte Listen für Rechte, für Linke und für Liberale. Unverständlich ist mir allerdings, wie es noch 2016 ein Titel namens Mein Kampf von einem gewissen Adolf Hitler beim Spiegel auf Platz eins schaffen konnte. Ich habe darin geblättert und war doch erstaunt darüber, was der Spiegel für politisch akzeptabel hält. Meiner Ansicht nach ist Mein Kampf um einiges radikaler als Finis Germania.

Gleichwohl wimmelt es auf der aktuellen Liste von Werken, die sich kritisch mit der Zuwanderungspolitik befassen. Sie stammen von maßvollen Menschen wie dem Grünen Boris Palmer (Wir können nicht allen helfen) und dem Vorsitzenden des Richterbunds Jens Gnisa (Das Ende der Gerechtigkeit) oder von weniger maßvollen Zeitgenossen wie Thorsten Schulte (Kontrollverlust) . Wer sich für dieses neue Genre interessiert, sei ausdrücklich vor Wut ist ein Geschenk gewarnt, zurzeit auf Platz 8. Es handelt sich hier nicht um eine Lobrede auf den Wutbürger, sondern um die Erinnerungen des Enkels von Mahatma Gandhi.