Man muss sich doch sehr wundern, oft jedenfalls. Warum wird das eine erfunden und das andere nicht? Warum stecken Menschen so viel Energie in die Lösung eines Problems, während das andere, direkt daneben liegende, unbearbeitet bleibt? Warum zum Beispiel musste, gewiss entbehrungsreich, die Frage nach dem Tanz der Vampire (seinem Charakter, seiner Eigenart) erst von Roman Polanski in einem Film, dann noch einmal und gewiss mühevoller in einem deutschen Musical behandelt werden werden – während die ebenso drängende Frage nach dem Schwanz der Vampire bisher weder filmisch noch musikalisch gestellt worden ist? Der Schwanz der Vampire, das kann doch keine Kleinigkeit sein. Es kann übrigens auch, um allfälligem Entsetzen der Leser zuvorzukommen, keine Obszönität sein. Durch Polanski wissen wir, dass sich die Erotik der Untoten im Gebrauch der Eckzähne erschöpft. Die orale Libido hat sich beim Fledermausmenschen auf Kosten aller anderen Formen des Begehrens durchgesetzt – ungefähr so wie bei anderen extrem ernährungsbewussten Zeitgenossen, die nur noch wertschätzen, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Veganer sind so ein Beispiel vampirgleich gesteigerter Spezialisierung in eroticis. Nur dass für sie natürlich auch das Blut aus rein pflanzlich gefärbter Sojamilch hergestellt werden müsste, wahrscheinlich kein Problem. Ein Problem bleibt aber, für Veganer wie Vampire gleichermaßen, was aus den überflüssig oder unwichtig gewordenen Zeugungsorganen herkömmlicher Art geworden ist. Vampire können sich bekanntermaßen mit dem Biss in eine Halsschlagader nicht nur Lust verschaffen, sondern auch fortpflanzen. Aber was ist mit den Veganern? Können auch sie sich, indem sie die Mundhöhle mit Sojamilch spülen, fortpflanzen oder müssten sie diese, je nach Geschlecht, irgendwo hinspucken, beispielsweise in eines anderen Menschen Mundhöhle? Und würde dieser Mensch, vorausgesetzt, er schluckte Solches, bereitwillig oder aus Versehen, ebenfalls zum Veganer werden? Diese Themen würden wir gerne einmal als Musical behandelt sehen, gurgelnde Sänger, betörende Kehllaute, ein im letzten Moment verschlucktes oder herausgespienes hohes C, das wäre doch etwas, wahrscheinlich so etwas wie das neue deutsche Jodel-Musical. Mögliche Titel: Der Tanz der Veganer, Der König der Veganer, Veggie und Biss – alles wäre neu, alles prickelnd und alles appetitlicher als die Vampire und Löwen, die wir gründlich satthaben.