Vor der Wahl im vergangenen Jahr gaben Unternehmenschefs und Banker düstere Prophezeiungen ab, welche Folgen ein Präsident Trump für die Wirtschaft haben würde. Eine Wiederauflage der Finanzkrise fürchteten einige sogar. Stattdessen aber herrscht bei den US-Unternehmen nun gute Stimmung wie schon lange nicht mehr. Die Börsenbarometer erklimmen einen Rekord nach dem anderen.

Grund für den Optimismus ist die von Trump versprochene Steuerreform. Seit Jahrzehnten beschweren sich Amerikas Konzerne über das US-Steuersystem, das sie im internationalen Wettbewerb behindere. Vergangene Woche stellte Trump seine Pläne endlich vor. Unter anderem soll die Unternehmenssteuer von 35 Prozent – einer der höchsten Sätze der Welt – auf 20 Prozent gesenkt werden.

Dem Vorschlag fehlt es an Details, und es ist bislang unklar, wie mögliche Steuerausfälle kompensiert werden sollen. Auch ist es angesichts der innerparteilichen Kämpfe bei den Republikanern, die jüngst zum Scheitern der Gesundheitsreform führten, unklar, ob es die Reform überhaupt durch den Kongress schafft. Doch sollte Trumps Steuerreform auch nur annähernd in dieser Form Gesetz werden, wird dies weitreichende Folgen für den Rest der Welt haben. Sie könnte eine neue Runde im internationalen Steuerwettbewerb auslösen und Tausende Milliarden Dollar in die USA lenken. Die Senkung der Tarife für die Reichen und die Unternehmen würde zudem die soziale Ungleichheit im Lande weiter vergrößern.

Mit einer Unternehmenssteuer von 35 Prozent sind die USA im Vergleich zu anderen Industrieländern absolute Spitzenreiter. Rechnet man lokale Steuern hinzu, kommt man laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sogar auf 38,91 Prozent. Zwar liegt die tatsächlich gezahlte Quote eher bei 29 Prozent, kalkuliert der Rechnungshof des US-Kongresses, weil die Unternehmen allerlei Schlupflöcher nutzen. Aber auch damit liegen die USA im oberen Bereich. In Deutschland beträgt laut OECD die Steuerquote auf Bundesebene 15,83 Prozent, die lokalen Abgaben eingerechnet, sind es 30,18 Prozent. Die Schweiz verlangt inklusive lokaler Abgaben 21,15 Prozent. Irland kommt auf 12,5 Prozent.

Mit dem von Trump nun angepeilten Steuersatz würden die USA unter dem Durchschnitt der Industrieländer liegen. Das würde eine Spirale nach unten in Gang setzen, fürchtet Didier Jacob von der Hilfsorganisation Oxfam. Großbritannien gehört mit 19 Prozent bereits zu den Niedrigsteuerländern. Doch die Regierung hat versprochen, den Steuersatz weiter zu senken, um den Standort nach dem Brexit attraktiver zu machen. Verheerend wären nach Ansicht von Jacob die Folgen eines solchen Wettbewerbs für Entwicklungsländer. Um im Standortwettbewerb attraktiv zu bleiben, machen sie heute bereits hohe Zugeständnisse an Unternehmen. Nigeria zum Beispiel gibt laut Oxfam jährlich 2,9 Milliarden Dollar für Steuervergünstigungen aus – rund doppelt so viel wie für Bildung. So verzichten ausgerechnet Länder auf Unternehmenssteuern, die mit ihrer armen Bevölkerung weit mehr als die Industrienationen auf diese Einnahmen angewiesen sind. Ein von den USA angefeuerter Steuerwettbewerb würde diesen Trend beschleunigen. Stattdessen wäre eine Stärkung und Stabilisierung der Entwicklungsländer im Sinne des Westens: Nur so kann verhindert werden, dass immer mehr Menschen sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen, weil sie dort kein Auskommen finden.

Es geht Trump um mehr als die Senkung des Steuersatzes. Die von ihm geplante Reform wäre eine fundamentale Änderung des US-Steuersystems. Bisher besteuert der US-Fiskus weltweit alle Gewinne, egal, wo das Unternehmen sie erwirtschaftet. Ein US-Unternehmen, das in Irland eine Niederlassung unterhält, führt dort 12,5 Prozent Steuern an die irische Staatskasse ab. Will es die restlichen Gewinne zurück in die Heimat holen, werden 35 Prozent Steuern auf den ursprünglichen Gewinn fällig. Immerhin darf das Unternehmen die 12,5 Prozent, die es bereits in Irland bezahlt hat, steuermindernd anrechnen. Die Mehrheit der Industrieländer handhabt das anders. Ein Schweizer Konzern etwa, der eine Niederlassung in Irland hat, kann nach Zahlung der 12,5 Prozent an Irland seinen Gewinn in die Schweiz überweisen, ohne dort weitere Abgaben zu bezahlen. Nun will auch Trump auf ein solches System umsteigen.

Für die großen, multinationalen Konzerne ist das keine Kleinigkeit. General Electric etwa, der größte Mischkonzern Amerikas, macht inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland, Konsumgüterhersteller Procter & Gamble ebenso. Beim Autobauer General Motors sind es über 60 Prozent. Kein Wunder, dass die US-Manager einer Abschaffung der weltweiten Besteuerung entgegenfiebern. Trump ist ihre Chance.