Bei der Begrüßung im Hotel Reichshof knipst Thomas Hermanns sein markantes, breites Lächeln an. Dass er gleich nebenan, in der Kantine des Hamburger Schauspielhauses, vor 25 Jahren die erste Show des "Quatsch Comedy Clubs" veranstaltete, hat er fast vergessen. Hermanns hat Musicals und TV-Sendungen geschrieben und inszeniert, moderiert, Bücher veröffentlicht und vier Comedy Clubs in Deutschland eröffnet. Im Interview bleibt der "Vater der Stand-up-Comedy" ziemlich ernst.

DIE ZEIT: Herr Hermanns, stimmt es, dass Sie eigentlich steinreich sein könnten?

Thomas Hermanns: Ich habe Ende der Achtziger Karaoke in Deutschland eingeführt. Hätte ich dafür die Lizenz gekriegt, hätte das super geklappt. Das war aber nicht zu lizensieren.

ZEIT: Woher kannten Sie Karaoke?

Hermanns: Aus New York. Ich war nach dem Studium für eineinhalb Jahre dort, um herauszufinden, was ich eigentlich werden will.

ZEIT: Wie haben Sie das finanziert?

Hermanns: Hermann: Durch Geld von Eltern und Großeltern. Das war Luxus. Da konnte ich Quatsch machen.

ZEIT: Was für Quatsch?

Hermanns: Ich bin in Clubs im East Village aufgetreten, mit Madonna-Songs auf Deutsch. Ich hatte einen kleinen Nachtclub-Erfolg mit Wie eine Jungfrau und Materielles Mädchen.

ZEIT: Unglaublich!

Hermanns: Ja. Das war trashiges Comedy-Karaoke: Unter dem Motto "If it is good, it is good – if it is bad, it is better" traten Comedians auf, lustig, schrill, sehr bunt. Da habe ich mein Berufsbild gelernt: selber produzieren, selber machen. Mit diesem Spirit habe ich dann hier die Karaoke-Idee als Show umgesetzt. Und musste den deutschen Journalisten erklären, was Karaoke ist.

ZEIT: Wie kam das Konzept an?

Hermanns: Bei allen meinen Ideen hieß es: Das wird hier nie funktionieren. Die Deutschen singen nicht, machen keine Comedy, keine Sitcoms. Aber auch das hatte ich gelernt: Du musst es einfach machen. In Amerika schenkt dir keiner was. Ich musste von Anfang an meine Budgets auftreiben. Meine ersten Shows kosteten rund 400 Mark. Mit Klavier, Kostüm, Gagen.

ZEIT: Hängt die Qualität einer Show von der Größe des Budgets ab?

Hermanns: Nein. Man kann viel Geld für Quatsch ausgeben. Aber so habe ich früh rechnen gelernt.