Es gibt Botschaften, die gleich aus zwei Gründen interessant sind: wegen des Inhalts und wegen der Autoren. Die Auto-Studie der European Climate Foundation (ECF), die der ZEIT exklusiv vorliegt, gehört dazu. Denn überraschenderweise prognostiziert die nicht nur, dass "der Umstieg auf klimafreundliche Autos zusätzliche Arbeitsplätze und Wachstum in Deutschland schaffen" kann. Sie wirbt auch noch mit der Expertise einer erstaunlichen Gruppe. Neben Umweltschützern und Gewerkschaftern haben Manager von Daimler, BMW, Volkswagen und Vertreter des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) an der Studie mitgearbeitet.

Fast zwei Jahre lang erkundeten die Experten auf Einladung der Klima-Stiftung die Zukunft der Autoindustrie. Sie fragten, wie die Veränderung dieser deutschen Schlüsselbranche zu einem Gewinn für Klima, Arbeitnehmer und die Wirtschaft werden kann. Die gemeinsam entwickelten Szenarien wurden dann von den britischen Ökonometrikern der Cambridge Econometrics in Zahlen verwandelt. Die fallen erstaunlich positiv aus: So könnten in Deutschland laut ECF-Studie bis 2030 beispielsweise rund 145.000 Arbeitsplätze zusätzlich entstehen.

Neue Dienste, neue Jobs

Die Beschäftigungseffekte durch die Umstellung auf emissionsarme Pkw nach Industriezweigen in Deutschland.

Cambridge Econometrics © ZEIT Grafik

Das Ergebnis der Studie steht damit in direktem Widerspruch zu einer kürzlich vom VDA veröffentlichten Untersuchung. In der hatte das Münchner Ifo-Institut berechnet, was bei einem Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor passieren würde. Die Ifo-Experten warnten daraufhin vor dem massiven Verlust von Jobs und industrieller Wertschöpfung. Christoph Wolff von der European Climate Foundation erklärt die eigenen positiven Ergebnisse so: "Wir haben nicht nur untersucht, welche Folgen ein Umstieg auf klimafreundlichere PKW für die Autoindustrie hat. Wir haben auch berücksichtigt, was in anderen Branchen passiert." Durch diesen erweiterten Blick würden nicht nur die Verlierer, sondern auch die Gewinner berücksichtigt. Das hatte das Ifo-Institut schlicht nicht getan. Die ECF-Studie hingegen rechnet mit einem kontinuierlichen Anstieg von Jobs in der Dienstleistungsbranche und einer wachsenden Wertschöpfung in der Energiebranche. Strombetriebene Autos nutzten schließlich national erzeugten Strom statt importiertes Öl.

Doch noch etwas ist an der ECF-Studie anders: "Sie geht davon aus, dass es noch eine ganze Weile einen gemischten Fuhrpark aus Elektro-, Hybrid- und Plug-In-Hybridfahrzeugen sowie Fahrzeugen mit zunehmend effizienteren Verbrennungsmotoren geben wird", sagt Christoph Wolff. Ein Land, in dem nur Autos mit Verbrennungsmotoren fahren, mit einem zu vergleichen, in dem es sehr schnell nur noch E-Autos gibt, sei unrealistisch. Der Wandel hin zu klimafreundlicheren Autos gehe dabei umso schneller, je mutiger in neue Ladeinfrastruktur investiert, das Stromnetz verbessert und die Ausbildung von Arbeitskräften modernisiert werde.

Wenn es gut läuft, könnte diese Studie eine vergiftete Debatte entschärfen – in der die Autoindustrie Umweltschützern irreale Fantasien unterstellte und mehr Klimaschutz mit massiven Jobverlusten gleichsetzt. Das wäre ein Anfang für die deutsche Verkehrswende.