Freitagabend, 6. Oktober, 20 Uhr: (Fast) alle Räder standen still. Es war klar, dass am gesamten Wochenende Hamburg mit dem Zug nicht oder nur mit großer Verzögerung erreichbar sein würde. 15 Stunden später: lange Schlangen vor dem Audimax der Universität Hamburg. 1.600 Abonnenten hatten sich nicht schrecken lassen und warteten neugierig, bis sich die Türen zum großen Leserparlament öffneten. Ist das Format der ZEIT unhandlich? Mehrheitliche Antwort: Ja! Sollen wir lieber zur Schulmisere recherchieren (nein) oder der Frage nachgehen, ob man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man seine kranken Eltern ins Altersheim bringt (ja)? Sollen in der ZEIT Anzeigen der AfD veröffentlicht werden (ja)?

Dies waren nur einige der Fragen, über die Chefredakteur Giovanni di Lorenzo im Parlament mit den Abonnenten diskutierte und abstimmte. Doch die Leser hatten auch eigene Themen und Fragen mitgebracht: Wird die Redaktion von Politikern oder Unternehmen manipuliert (nein)? Spielt Europa eine ausreichende Rolle (jein)? Und wie sich das für Leser einer Zeitung unseres Formats gehört, haben wir die Parlamentsdebatte natürlich überzogen. Nach dem Chefredakteur traten über 40 Redakteure in Einzelformaten auf die Bühne. Unter anderem: "Hinter der Geschichte" – für die Kollegen aus den Ressorts Dossier, Wirtschaft oder Wissen, die ihre Recherchen vorstellten, gab es sogar Standing Ovations.

Für das Korrespondenten-Podium reisten Kollegen unter anderem aus Russland, Beirut und Reutlingen an. Bernd Ulrich beantwortete die Frage, wie kämpferisch politischer Journalismus heute sein sollte (sehr!), Sabine Rückert und Malin Schulz, Iris Radisch, Anita Blasberg und Tanja Stelzer erzählten, wie es so ist als Chefin in den Medien (das ist eine längere Geschichte). Das waren nur fünf von insgesamt 20 Runden am "Tag der ZEIT" . Und wenn Sie einer der Wettergeschädigten waren oder einfach Spaß an solchen Themen haben: In Zukunft gehen wir mit Einzelformaten auf Tour.

Als Programmleiterin der "Freunde der ZEIT" verstehe ich mich als Ihre Brücke in die Redaktion. Schreiben Sie mir: Freunde@zeit.de
Ihre Wencke Karla Tzanakakis