Am Anfang war der Schmuckschuber. Neben Margot Käßmann, Uschi Glas, Jürgen Klopp und acht anderen mehr oder minder Prominenten hatte auch Harald Glööckler einen Einband für die frisch revidierte Lutherbibel entworfen. Er wurde mit einem Designpreis ausgezeichnet, jetzt fühlt sich Glööckler zu Höherem berufen: Er will Prediger werden. Am liebsten sähe sich der Star aus dem Verkaufsfernsehen beim Wort zum Sonntag. Weiß der Modeschöpfer auch etwas vom Schöpfer des Universums zu erzählen?

Im hessischen Niederhöchstadt hatte Harald Glööckler nun sein Kanzeldebüt. Die Predigt sei "gut und tief" gewesen, sagte der Pfarrer der Gemeinde. Glööcklers Botschaft: "Wir brauchen keine Kirche, die uns klein macht und sagt, was wir nicht machen dürfen. Wir brauchen eine Kirche, die uns stützt, wenn wir stolpern, die uns auffängt, wenn wir fallen!" Dass Luther den Prunk aus den Kirchen entfernt habe, sei "Quatsch". Auch dass in jeder Kirche ein leidender Jesus zu sehen sei, störe ihn. Lieber wäre ihm ein pompööser Heiland mit Heiligenschein oder einer, der segnet.

Auf seiner Schmuckschuberkreation war jedenfalls nur einer zu sehen: Glööckler. An Selbstliebe scheint es dem Selbstdarsteller nicht zu fehlen. Verkündigt er allein sich selbst – soli Glööckler gloria? Immerhin ein Ebenbild Gottes!, ließe sich entgegnen. Wie beim Schuber gilt wohl auch bei den Predigten: Nicht von Äußerlichkeiten ablenken lassen – vielleicht steckt ja doch Evangelium drin.