DIE ZEIT: Herr Burridge, in Ihrem Garten steht ein riesiger Triceratops. Wo kommt der her?

Jay Jay Burridge: Das war einer von elf Dinosauriern, die ich für eine Ausstellung in Los Angeles geschnitzt habe. Zehn Skulpturen habe ich verkauft, nur den Triceratops habe ich behalten und mit nach Hause genommen.

ZEIT: Und warum steht er in Ihrem Garten?

Burridge: Ins Haus passt er nicht, er ist zu groß. Und ich finde es sehr viel freundlicher, wenn er draußen sein darf, statt in meine Werkstatt oder in ein Lager eingesperrt zu sein.

ZEIT: Sie leben in einem kleinen Dorf in England. Wie reagieren die Leute, die an Ihrem Haus vorbeikommen?

Burridge: Anfangs war unser Dino schon eine kleine Sensation. Zuerst stand er im Vorgarten. Viele Leute, die vorbeifuhren, bremsten und starrten das Tier an. Zum Glück gab es keine Unfälle, aber wir brachten ihn trotzdem lieber in den hinteren Garten. Inzwischen hatte sich aber herumgesprochen, dass bei uns ein Triceratops lebt. Ständig klingelte jemand, der ihn sehen wollte und dann durch unser Haus latschte. Der Dino musste also noch mal umziehen, neben das Haus. Dort kann man ihn von der Straße aus noch ein bisschen sehen, aber er erregt nicht mehr so viel Aufmerksamkeit.

ZEIT: Gibt es noch mehr Dinosaurier bei Ihnen?

Burridge: Mein Haus ist vollgestopft mit Bildern, Postern, Spielzeug und Skulpturen. Und draußen gibt es noch zwei große Raptoren von mir, die sich im Baumhaus meiner Kinder verstecken.

ZEIT: Sie scheinen ja in einem kleinen Dino-Park zu leben. Was sagt Ihre Familie dazu?

Burridge: Meine beiden Söhne lieben die Dinos. Wenn Cash und Carter andere Kinder besuchen, sind sie manchmal geradezu enttäuscht, dass es dort im Garten nur ein Trampolin oder ein Kaninchen gibt.

ZEIT: Sind die beiden genauso große Dinosaurier-Fans wie Sie?

Burridge: Na klar, alle Kinder sind doch verrückt nach Dinosauriern. Die Erwachsenen übrigens auch, sie geben es nur nicht gern zu. Aber ich glaube, dass jeder Mensch in seinem Herzen einen speziellen Platz für Dinos hat.

ZEIT: Woher kommt der Zauber der Tiere?

Burridge: Elfen, Zwerge, Drachen oder auch Superhelden wie Spiderman und die Figuren aus Star Wars – all das ist faszinierend, aber es sind Wesen aus Märchen und erfundenen Welten. Dinosaurier gab es wirklich. Man kann die Skelette der Urzeitriesen in Museum ansehen. Das macht die Magie der Dinos aus.

ZEIT: Wann und wie begann Ihre Dino-Sucht?

Burridge: Als ich klein war, lebten wir in London ganz nah beim Natural History Museum. Dort gibt es das Skelett eines riesigen Diplodocus. Er ist seit 1905 in dem Museum und wird von allen Dippy genannt. Dieses gigantische Tier hat mich tief beeindruckt.

ZEIT: Warum?

Burridge: Es war so unglaublich riesig! Dippy und die Dinosaurier-Abteilung in dem Museum haben mich mein Leben lang begleitet. Meine Eltern schoben mich schon als Baby im Kinderwagen da durch. Als ich fünf Jahre alt war, lag ich vor Dippy auf dem Boden und malte ihn mit Wachsmalern auf Papier. Die anderen Besucher mussten über mich drüberklettern.

ZEIT: Ihr Lieblingsdino wurde Dippy aber nicht?

Burridge: Nein, das war immer schon der Triceratops. Wir hatten früher ein Haus auf dem Land, und ich habe mir als Kind vorgestellt, dass die Kühe draußen auf den Wiesen eigentlich alle Triceratops sind, die ihre Hörner verloren haben. Damals, als ich zwölf Jahre alt war, entstand die Idee für das, was ich jetzt in meinen Büchern erzähle.

ZEIT: In Ihrer Buchreihe Supersaurier, von der gerade der erste Band erschienen ist, sind die Dinos nie ausgestorben. Glauben Sie, wir Menschen würden Dinosaurier heute gut behandeln?

Burridge: Ich glaube, der Mensch geht immer dann gut mit einem Tier um, wenn es ihm nützlich ist. Die anderen Tiere behandeln wir schlecht. Wir züchten eine bestimmte Rasse Kühe, weil wir ihr Fleisch essen und ihre Haut als Leder verarbeiten wollen. Andere Rassen, die weniger Fleisch bringen, rotten wir aus. Mit meiner Arbeit, egal ob mit den Skulpturen oder mit den Büchern, will ich immer auch daran erinnern, dass wir Menschen sorgsam mit der Natur und den Tieren umgehen sollten – zumindest wenn wir nicht wollen, dass sie vom Planeten verschwinden, so wie die Dinosaurier. Wobei, einige wenige gibt es ja noch ...

ZEIT: Als Skulptur bei Ihnen zu Hause vielleicht.

Burridge: Nein, ich meine das ernst. In meinem Garten stehen nicht nur Dino-Skulpturen, da laufen auch Hühner herum. Und manchmal versuchen Raubvögel, die kleinen Küken zu fangen. Diese Raubvögel nennen wir Raptoren, und das passt, denn sie sind die Nachfahren der Dinos.

ZEIT: Okay, Sie haben also Dino-Figuren in Ihrem Garten und lebendige Nachfahren der Urzeittiere darüber in der Luft, Sie schreiben Bücher über die Tiere und machen Kunstausstellungen mit ihnen. Sie leben sogar an dem Ort, an dem Wissenschaftler vor rund 150 Jahren Dinosaurierknochen gefunden haben ...

Burridge: Moment, ich bin nicht extra wegen der Dinos hierhergezogen. Ich habe erst später erfahren, was Wissenschaftler damals genau vor meiner Haustür ausgruben. Leider habe ich selbst bisher nur uralte Muscheln ausgebuddelt. Also schreibe ich erst mal weiter Geschichten.

ZEIT: Natürlich über Dinosaurier!

Burridge: Klar! Ideen hab ich zuhauf: die Dinos bei den Römern, die Dinos im Wilden Westen, Dinos bei den Wikingern. Ich hoffe, dass mich die Supersaurier für den Rest meines Lebens beschäftigen!

Das Buch "Supersaurier – Kampf der Raptoren" ist im Baumhaus Verlag erschienen; empfohlen ab 10 Jahren