Er ist der Anti-Trump. Der Mann, der gegen den Klimawandel kämpft, die Gesundheitsreform des US-Präsidenten, die Abschiebung jugendlicher Migranten. Gegen die Mauer an der Grenze zu Mexiko. Und weil Jerry Brown Gouverneur von Kalifornien ist, Regierungschef des bevölkerungsreichen und boomenden Bundesstaats an der Westküste, kann er mehr tun, als Trump bloß zu kritisieren.

Der 79-Jährige hat ein Netzwerk von Städten, Bundesstaaten und Unternehmen gegründet, die Under2Coalition, um gegen die Erderwärmung zu kämpfen, und das, obwohl Trump die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führen will. Der Gouverneur hat sogar angekündigt, Kalifornien werde notfalls eigene Forschungssatelliten ins All schießen, sollte Trump die Klimaforschung der Nasa unterbinden.

Brown setzt sich auch für einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen Los Angeles und San Francisco ein. Da passt es, dass der Gouverneur die ZEIT zum Interview in einem Zug empfängt, im Acela Express von New York nach New Haven. Während wir sprechen, zieht draußen Neuengland vorbei, viel Wasser, kleine Städtchen, rostige Bahnanlagen. In New York tritt zur gleichen Zeit Donald Trump ans Rednerpult der Vereinten Nationen und droht Nordkorea mit totaler Vernichtung.

DIE ZEIT: Herr Gouverneur, gerade haben Sie weitere Regierungschefs in Ihrer globalen Under2Coalition begrüßt. Im Juni führten Sie ein persönliches Gespräch mit dem chinesischen Staatspräsidenten in Peking. Im Mai wandten Sie sich mit einer Videobotschaft an das Global Citizen Festival in Hamburg am Rand des G20-Gipfels. Wenn man Sie als den Anführer Amerikas im Kampf gegen den Klimawandel bezeichnen würde ...

Jerry Brown: (lacht) Ich tue nur mein Bestes, um Unterstützung für das Pariser Abkommen zu mobilisieren. Ich glaube, wir hätten auch unter Präsident Obama viel aggressiver sein müssen im Kampf gegen die Erderwärmung. Und nun erst recht unter Trump.

ZEIT: In Ihrer Videobotschaft an das G20-Festival in Hamburg haben Sie über Pläne für einen Klimagipfel nächstes Jahr in San Francisco gesprochen. Was planen Sie?

Brown: Die Idee ist, alle Bundesstaaten der Under2Coalition zu versammeln, plus Bürgermeister, Wirtschaftsführer. Sie alle sollen erklären, was sie in ihrer Provinz, ihrer Stadt, ihrem Unternehmen gegen den Klimawandel tun. Und was sie sich für die Zukunft vorgenommen haben. Es geht um Selbstverpflichtungen. Der US-Präsident fällt im Kampf gegen den Klimawandel gerade komplett aus. Aber alle anderen können etwas tun.

ZEIT: Was tut Kalifornien?

Brown: Wir haben uns verpflichtet, den CO₂-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Wir werden das erreichen, indem wir die Hälfte unserer Elektrizität aus erneuerbaren Quellen beziehen. Wir werden unsere Bauvorschriften so ändern, dass unsere Gebäude doppelt so effizient werden. Wir werden die Zahl von Elektrofahrzeugen bis 2030 auf mehrere Millionen erhöhen.

ZEIT: In Ihrer Videobotschaft haben Sie auch gesagt, Trump möge für sich sprechen, aber er spreche nicht "für den Rest von uns". Wen haben Sie damit gemeint?

Brown: Die Millionen Menschen, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagieren. In den USA und überall auf der Welt. Präsident Trump vertritt die dunklen Kräfte der Reaktion, die suggerieren, die Nutzung fossiler Brennstoffe sei der einzige Weg in die Zukunft. Deshalb fördert er die Kohleverstromung, deshalb erlaubt er Ölbohrungen in der Arktis, deshalb hebt er Regulierungen aus der Obama-Zeit auf. In den Vereinigten Staaten tobt ein ökonomischer und kultureller Krieg. Anders als in Europa gibt es in den USA tatsächlich eine Debatte darüber, ob sich der Klimawandel wissenschaftlich überhaupt nachweisen lasse. Es gibt praktisch keinen republikanischen Abgeordneten in Washington mehr, der den Klimawandel für eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache hält.