DIE ZEIT:Ihr letztes Buch Das Schicksal ist ein mieser Verräter war ein weltweiter Bestseller. Wie schreibt man nach einem solchen Erfolg ein neues Buch?

John Green: Meine Frau Sarah und meine Lektorin Julie haben in den vergangenen Jahren viele, viele Entwürfe der Geschichte gelesen. Es war ein langer und langsamer Prozess mit vielen Überarbeitungen. Es gab schon einen gewissen Erfolgsdruck. Ich hatte das Gefühl, im Schatten des Vorgängers zu schreiben – und das war wirklich beängstigend. Aber früher war der Druck beim Schreiben auf andere Weise groß. Da musste ich nämlich Deadlines einhalten, um meine Miete zahlen zu können. Diesmal konnte ich mir so lange Zeit lassen, bis die Geschichte genau so war, wie ich sie haben wollte.

ZEIT: Nach dem "miesen Schicksal" der krebskranken Hazel erzählen Sie nun von den "fiesen Gedanken" Ihrer neuen Heldin Aza, die unter Angststörungen leidet. Kennen Sie solche Gefühle?

Green: Obsessiv in seinen Gedanken gefangen zu sein ist mir seit meiner Kindheit vertraut, ja. Ich lebe damit. Aza allerdings leidet darunter, dass sie ihre Gedanken nicht bändigen kann. An ihr nagt die Angst, keinen freien Willen zu haben. In diese Frage steigert sie sich hinein – in eine große Frage der Menschheit also, auf die es keine Antwort gibt.

ZEIT: Die deutschen Fans müssen noch einen Monat auf die Übersetzung warten. Verraten Sie uns, was nach dem ersten Kapitel kommt?

Green: Aza und Daisy werden Davis Pickett treffen, und Azas Beziehung zu ihm wird immer vielschichtiger und wirrer – wie auch ihr Gefühl für das eigene Selbst immer labiler wird. Kurz gesagt: Die Schlinge zieht sich zu.

ZEIT: Fünf Jahre haben Sie sich Zeit gelassen für dieses Buch. Was haben Sie in der Zeit getan, außer zu schreiben?

Green: Ich habe ein wenig Zeit in meiner eigenen Gedankenwelt verplempert, aber viel ging auch für Projekte drauf. Mit meinem Bruder habe ich 2012 den Bildungschannel CrashCourse bei YouTube gestartet. Dafür haben wir Filme und Podcasts produziert. Ich war auch sehr glücklich darüber, dass ich in die Verfilmungen von Das Schicksal ist ein mieser Verräter und Margos Spuren eingebunden war. Und schließlich ist Kinder aufzuziehen eine ziemlich zeitintensive Angelegenheit. Natürlich bin ich gerade total aufgeregt, mein neues Buch vorzustellen, wieder Interviews zu geben und all das. Aber am glücklichsten bin ich zu Hause mit meiner Familie.

ZEIT: Dort müssen Sie einiges gelesen haben. Zumindest konnte man zahlreiche John-Green-Empfehlungs-Zitate auf den Büchern anderer Autoren sehen. Welches Jugendbuch hat Sie besonders beeindruckt?

Green:The Hate U Give von Angie Thomas hat das Zeug zum Jugendbuch-Klassiker, und ich mochte auch Refugee von Alan Gratz sehr, das hoffentlich noch seinen Weg nach Deutschland finden wird. Es gibt gerade so viele großartige Jugendbuch-Autoren, Patrick Ness, E. Lockhart, Jason Reynolds – ich glaube, die Jugendliteratur ist derzeit so stark und interessant wie nie zuvor.