Petra Bahr ist Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover. In ihrer Kolumne geht sie der großen Politik im Alltag auf den Grund. © Kulturrat der EKD

Ein Bild, das nicht um die Welt geht. Kein Friedenspakt, keine Koalitionsvereinbarung, nur ein gemeinsames Papier? Das Foto zeigt den evangelischen und den katholischen Bischof in Berlin. Wie Schüler, denen bei einem Partnerprojekt im Reli-Unterricht etwas richtig Gutes eingefallen ist, beugen sie sich über den Tisch und stecken die Köpfe zusammen. Darum geht es: um Partnerschaftsarbeit beim Religionsunterricht. Die beiden Geistlichen schließen einen Kooperationsvertrag.

Auf den Schulhöfen in der Hauptstadt treffen sich längst alle Weltreligionen in beinahe allen denkbaren Auslegungen und Lebensformen. Immer weniger Kinder haben eine religiöse Bindung. Christen sind längst in der Minderheit. Die konfessionellen Unterschiede verschwinden im Alltag immer mehr, auch, weil die Kontraste zu anderen deutlicher werden. Da ist es nur konsequent, wenn evangelische und katholische Kinder immer häufiger zusammen unterrichtet werden. Diese Kooperation zeigt aber auch, was die Ökumene vorantreibt. Nicht theologische Dispute mit anschließender Einigung, nicht innere Zugeständnisse oder ein Mehr an Verständnis füreinander. Es ist neben der guten Gewohnheit die reine Not, die diese Freundschaft fördert.

Schlecht muss das nicht sein. In Zeiten des Umbruchs kann jede Menge Neues entstehen. Wenn das Alte sich nicht mehr von selbst versteht, muss man es entweder erfolgreich verteidigen oder davon lassen oder etwas anderes versuchen. Ach, das ist Berlin, kommentieren viele. Da ist die religiöse Witterung seit je rauer. Die Hauptstadt ist für die Kirchen aber auch eine Wetterstation für künftige Großwetterlagen. Es wird noch jede Menge ökumenische Fantasien geben müssen, von der Notfallseelsorge bis zur religiösen Bildung, um christliche Grundhaltungen auch da organisieren zu können, wo Christen in die Minderheit geraten oder einfach weniger werden. Kleinerwerden heißt nämlich nicht, defensiv zu werden, jedenfalls dann nicht, wenn man der Versuchung widersteht, Reihen zu schließen und der Welt den Rücken zuzuwenden, damit es schön behaglich bleibt. Also mehr die Köpfe zusammenstecken und sich was Gutes ausdenken, wie damals im Reli-Unterricht beim Partnerschaftsprojekt. Auch wenn man sich den Nachbarn in der Bank nicht ausgesucht hat.

Die anderen werden übrigens auch kreativ. Sie nutzen die Lücken für sich, auch religionspolitisch. Gleichzeitig wurde ein Institut für Weltanschauungsrecht gegründet, das dabei hilft, den Laizismus als Weltanschauung politisch besser durchsetzen zu können.