Der große Haudrauf war zahm wie ein Pennäler. Selbst als Sebastian Kurz vergangenen Sonntag bei der Debatte auf Puls 4 mahnend die antisemitischen und rassistischen "Einzelfälle" bei den Freiheitlichen aufzählte, verlor Parteichef Heinz-Christian Strache nicht die Fassung. Artig gelobte er Achtsamkeit, erzählte von seinen Freunden in Israel und überreichte mit einer überraschend charmanten Geste am Ende der Konfrontation der Moderatorin Corinna Milborn einen gewaltigen Blumenstrauß.

Strache neu – vom Scheitel bis zur Sohle ministrabel, so lautet die neue Botschaft.

Er ist jetzt 48 Jahre alt und seit zwölf Jahren Vorsitzender der FPÖ. Nur Bruno Kreisky und Jörg Haider hielten sich länger an der Spitze ihrer Parteien. Aber Strache weiß, dass er die FPÖ diesmal in die Regierung führen muss, sonst werden die Funktionäre im Parteiapparat unruhig. Dann ist es nur noch eine Frage von Monaten, bis jemand auf die Idee kommt, dass es jetzt eigentlich Zeit für einen Wechsel an der Spitze sei.

Zweimal war die FPÖ schon in der Regierung, einmal mit der SPÖ, einmal mit der ÖVP – das Regierungsglück zerbrach beide Male an einem innerparteilichen Putsch, den sowohl 1986 als auch 2002 Jörg Haider ausgelöst hatte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Strache wie dereinst Norbert Steger mit den Sozialdemokraten koaliert, ist gering. In der SPÖ müsste ein Zusammengehen mit den Freiheitlichen gegen wichtige Teile der Partei durchgesetzt werden – etwa gegen den Wiener Bürgermeister Michael Häupl und den Chef der roten Gewerkschafter, Wolfgang Katzian. Für den höchst theoretischen Fall einer Koalition mit der FPÖ haben sich die Sozialdemokraten überdies darauf festgelegt, dass eine solche Regierung von mindestens 96 Abgeordneten im Nationalrat getragen werden müsste. Das wären um vier Sitze mehr, als für die einfache Majorität nötig sind. Dieses Sicherheitspolster ist gerade bei einem ohnehin wackeligen Regierungsbündnis wichtig: In der ablaufenden Legislaturperiode traten immerhin 15 Abgeordnete aus ihrem jeweiligen Club aus, wechselten die Seiten oder sitzen als wilde Mandatare im Plenarsaal.

Die SPÖ steckt in einem Dilemma: Ein Vergleich der beiden Wahlprogramme zeigt, dass es nur einen geringen Vorrat an gemeinsamen politischen Inhalten mit der FPÖ gibt. Außerdem dürfte ein rot-blaues Bündnis schon an der bloßen Arithmetik scheitern. Anderseits erscheint, nachdem die Schlammschlacht der beiden Regierungspartner derart eskaliert ist, auch eine Fortsetzung der Koalition mit der Volkspartei in der gegenwärtigen Konstellation kaum eine Option zu sein. Eine Verlängerung der bisherigen Koalitionspolitik, derer nicht nur alle Beteiligten sondern auch die meisten Wähler überdrüssig sind, ist nur als letzter Strohhalm vorstellbar, wenn zuvor alle anderen Möglichkeiten gescheitert sind. Zudem ist von keinem der beiden Spitzenkandidaten in diesem Duell der Alphamänner anzunehmen, dass er den jeweiligen Kontrahenten als Regierungschef akzeptieren würde. Eine personelle Rochade würde jedoch in beiden Parteien das Eingeständnis eines Wahldebakels bedeuten.