Nur dreizehn Zentimeter misst die kleine hellblaue Schale im Durchmesser. Sie ist rund tausend Jahre alt, entstand während der Zeit der Nördlichen Song-Dynastie (960–1127) im chinesischen Kaiserreich und diente zum Waschen von Pinseln. Jetzt ist sie das teuerste Stück Keramik, das es je gab: Am 3. Oktober erzielte die Schale bei Sotheby’s in Hongkong umgerechnet 32 Millionen Euro, das Aufgeld, eine Art Provision des Auktionshauses, mit eingerechnet. Ihre Form ist so ebenmäßig und klar, dass man sich an ein Objekt im Bauhaus-Stil erinnert fühlen könnte. Ein matt schimmerndes Hellblau, die feinen Haarrisse an der Oberfläche funkeln wie Eisblumen – wie gelang es den kaiserlichen Töpfern damals bloß, eine so tiefgründig transparente Glasur herzustellen? Nur weltweit siebzig Exemplare haben sich von der sogenannten Ru-Ware erhalten, die meisten davon in Museen. Kommt eines auf den Markt, dann ist preislich alles möglich. Schon die letzte Ru-Schale auf einer Auktion erzielte 2012 bei Sotheby’s Hongkong 24,4 Millionen Euro.

Preise wie diese werden ausnahmslos von chinesischen Sammlern gezahlt. Es gibt in China immer mehr Superreiche, die um die Wette altchinesische Kunst in ihr Land zurückkaufen. Wie im April 2014, als ein Tycoon aus Shanghai 30 Millionen Euro für ein mit Hühnern bemaltes Porzellantässchen aus der Ming-Epoche zahlte. So etwas ist kunsthistorisch kostbar – und Eindruck macht es auch: In einigermaßen gebildeten chinesischen Kreisen weiß jeder um den Wert dieser Stücke und erkennt sie sofort. Wie im Westen etwa Picasso, Giacometti oder Jeff Koons. Hier wie dort spiegeln die Rekordpreise für solche Statussymbole schon längst nicht mehr den wahren Markt, sondern das Geltungsbedürfnis einiger weniger Milliardäre. Zum Glück gibt es frühe chinesische Keramik auch schon für weniger als 10.000 Euro. Wer sich auf diesem Gebiet bewegt, muss sich aber sehr gut auskennen. Wie so oft beim Sammeln: Wissen schafft Vorsprung.