Joop räumt auf. Die Villa Wunderkind in Potsdam, in der er 14 Jahre lang lebte, hat der Modedesigner vor einigen Monaten an SAP-Gründer Hasso Plattner verkauft. Nun trennt sich der 72-jährige Wolfgang Joop von seinem überflüssigen Hausrat – und die Liste der ausrangierten Stühle, Lampen und Kommoden füllt einen ganzen Katalog.

Knapp hundert Objekte sind es geworden, die am 18. Oktober vom Londoner Auktionshaus Christie’s versteigert werden. Unter den Möbeln: ein Garderobenschrank aus den fünfziger Jahren von Charlotte Perriand, den die französische Designerin zusammen mit dem Architekten Le Corbusier entwarf (Schätzpreis 12.000 bis 17.000 Euro). Alvar Aaltos puristischer "Armchair, Model 31", vom Pionier der skandinavischen Moderne um 1935 ersonnen (1.700 bis 2.800 Euro). Aber auch eine italienische Kommode aus dem 18. Jahrhundert mit geschwungenen Beinen, die in zierlichen Hufen münden (12.000 bis 17.000 Euro). Und ein Sofa aus patiniertem Metall von 1970, gestaltet von Joop selbst (2.800 bis 3.900 Euro). Er sammelt, was ihm gefällt. Und nicht, was in ein Raster passt. So viel verrät sein Ausverkauf.

Dass Joop ein ebenso schöpferischer wie ästhetischer Charakter ist, hat er in der Vergangenheit hinreichend bewiesen. Er zählt neben Jil Sander und Karl Lagerfeld zu den wichtigsten deutschen Modedesignern. Und wer sich fragt, wie die exzentrischen Rokoko-Möbel zu den glattschwarz lackierten Art-déco-Türen (78.000 bis 110.000 Euro) oder einer Chaiselongue von 1835 passen, deren Dekor an kleine gotische Kirchenfenster erinnert (4.500 bis 6.700 Euro), den überzeugen ein paar Fotografien vom ehemaligen Interieur der Villa Wunderkind. Joop hat die Objekte epochenweise gruppiert und alles Brave daran geschickt mit Design aus anderen Zeiten gebrochen. So entstehen zart-anarchische Kombinationen. Gut sieht das aus, wenn ein Blumenbild des Amsterdamer Malers Jan van Huysum (120.000 bis 170.000 Euro), dessen Stillleben im 18. Jahrhundert sehr gefragt waren, auf italienisches Design des 20. Jahrhunderts trifft: zwei kompakte Sessel und ein Sofa mit Stoffbezug im Leopardenmuster (7.800 bis 11.000 Euro).

Bei manchen Objekten leuchtet ein, warum sich der Modemacher nach Jahren davon trennt. Da sind etwa die Antiquitäten – manche zierlich, andere kokett überladen, viele vergoldet. Perfekt als Inventar einer repräsentativen Villa, doch weniger geeignet für Joops neuen ländlichen Wohnsitz in Bornstedt. Versteigert werden allerdings auch Objekte so genialer Gestalter wie Charlotte Perriand, Jean Prouvé oder Serge Mouille, deren schnörkellose Entwürfe derzeit auf jeder Designmesse wie Fetische inszeniert werden. Sie passen immer und überall, sicher auch nach Bornstedt. Andererseits lässt sich an ihnen gerade gut verdienen.

Joop sagt, solche Kategorien interessierten ihn nicht. Eher seien seine Entscheidungen von persönlichen Motiven getrieben. "Ich brauche Raum für neue Ideen. Zu viele Erinnerungen verstellen den Blick." Am Heiligen See, in dem Villenviertel, das seit 2003 immer mehr Millionäre angezogen hat, mag er nicht länger leben. Von Potsdam zieht es ihn in Richtung Sanssouci, wo das Wohnhaus der Großeltern steht und Joop bis zu seinem Umzug nach Braunschweig im Jahr 1954 lebte.

Bornstedt steht für Ruhe, Konzentration und die Arbeit am neuen Label "Look", gedacht für eine junge Generation. "Nun schließt sich der Kreis", meint Joop zur Rückkehr an den Ort seiner Kindheit. In diesen Zirkel darf nur, was ihm wirklich wichtig ist – schon aus praktischen Gründen, denn mit dem Auszug aus der Villa reduziert sich der Raum zum Leben und Arbeiten um die Hälfte auf 600 Quadratmeter. "Ich kann auf der Flughafentoilette zeichnen", sagt Joop, "wenn ich weiß, dass ich unterwegs bin." Zu Hause sein, das sei dagegen etwas anderes. Hier muss er sich entfalten können.

Leicht fiel ihm die Entscheidung beim historischen Inventar, bei den reich verzierten Spiegeln oder einer mit Porzellanblumen geschmückten Meissener Deckelvase von 1760. "Mit alten Möbeln alt werden", das will Joop nicht. Schwieriger war der Abschied von zwei Paar Stühlen (je 45.000 bis 67.000 Euro) und einem Beistelltisch (12.000 bis 17.000 Euro) von Alexandre Noll. An ihnen hängt er allein schon wegen der Biografie des Franzosen: Noll begann als Bankkaufmann, fühlte sich aber immer als Künstler, er schnitzte seine schweren, organischen Möbel, als sich die Avantgarde auf karge Stahlrohrmöbel setzte. Noll sei aus der Zeit gefallen, deshalb hegt Joop eine tiefe Sympathie für ihn und sammelt seine Objekte seit den neunziger Jahren. 2010 organisierte er eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg. Noll habe Skulpturen machen wollen, meint Joop, doch die Leute hätten immer Stühle von ihm haben wollen. "Also hat er Stühle wie Skulpturen gemacht."

Im Jahr 2010 trennte sich Joop bereits von Nolls Champagner-Kabinett aus Ebenholz. 250.000 Euro erwartete Christie’s als Mindestgebot, am Ende wechselte die Bar für 757.000 Euro den Besitzer. Ein Weltrekord für ein Objekt des 1970 verstorbenen Designers. 30 Objekte standen damals auf der Liste, das Ergebnis übertraf die Erwartung von 1,5 Millionen Euro um das Doppelte. Auch jetzt wirken zweifache Anziehungskräfte: der Name Joop und Objekte begehrter Designer. "Manchen Stücken muss man die Treue halten, von anderen trennt man sich ruckartig. Das schmerzt, aber es geht vorbei", meint Joop. Sein Schmerz wird sich in Grenzen halten, wenn er sein Möbeldepot aufschließt: Allein von Perriands Garderobenschrank besitzt Wolfgang Joop immer noch zwei Exemplare.

Auktion am 18.10., Christie’s London: "Villa Wunderkind: Selected Works from the Private Collection of Wolfgang Joop"