DIE ZEIT: Frau Reschke, die AfD sitzt bald im Bundestag. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Berichterstattung über die Partei gemacht?

Anja Reschke : Viele Journalisten hatten bisher das Gefühl, sie müssten die AfD bekämpfen oder Menschen überzeugen, diese Partei nicht zu wählen. Das ist aber nicht unser Job, auch wenn es manchmal schwerfällt, sich nicht einzumischen, wenn menschenverachtende Töne durchschlagen. Uns muss klar sein: Viele wählen die AfD nicht trotz solcher Sprüche, sondern genau deswegen. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, man könne mit Berichten AfD-Wähler ins Grübeln bringen. Im Gegenteil: Je härter die Vorwürfe und die Argumente in unserer Berichterstattung, desto härter der Gegenwind.

ZEIT: 2015 haben Sie in einem Kommentar in den Tagesthemen dazu aufgerufen, sich der rassistischen Hetze im Internet entgegenzustellen. Anschließend wurden Sie persönlich massiv angefeindet. Erhalten Sie noch Hassmails?

Reschke: Es kommt in Wellen. Flüchtlinge, Kriminalität und Feminismus, das sind so drei Haupt-Auslöser. Wenn wir diese Themen ansprechen, kann ich sicher sein, dass ich was abkriege.

ZEIT: Wie viele Hass-Nachrichten erhalten Sie nach einem Beitrag über Flüchtlinge?

Reschke: Das kann man nicht so genau beziffern. 2015 war es massiv. Da kamen Hunderte Nachrichten in der Redaktion an. Heute spielt sich viel in den Kommentarspalten auf Facebook, YouTube oder Twitter ab. Da kommt dann "das bezahlte Lügenmaul", "die hässliche Fratze" oder "Ich will diese bescheuerte Kuh nicht von Zwangsgebühren bezahlen". Und noch sehr viel Unflätigeres. "Du linksversiffte Schlampe", auf diesem Niveau spielt sich das ab.

ZEIT: Sie lesen die Nachrichten und Kommentare noch?

Reschke: Ich lese positive wie negative. Nach zwei Jahren hat man sich auch ein bisschen daran gewöhnt.

ZEIT: Das klingt resigniert.

Reschke: Ich kann diese Nachrichten durchscannen und weiß genau: Aha, das ist wieder so eine, in der Vergehen von Flüchtlingen aufgelistet werden, damit ich doch bitte endlich kapiere, wie kriminell die alle sind. Oder die, in denen dargelegt wird, wie schlecht es den Deutschen geht und wie gut den Ausländern. Es sind immer die gleichen Argumentationen, die gleichen Vorwürfe. Inzwischen kommt auch viel zur AfD. Ich habe neulich in einer Talksendung gesagt, die Partei sei undemokratisch. Da kamen die Forderungen, das mit Fakten zu belegen. Ich habe das ziemlich akribisch beantwortet. Aber Argumente werden weggewischt. Was nicht ins Bild passt, wird ausgeblendet.

ZEIT: 2015 wollte man Ihnen gezielt Angst machen.

Reschke: Ja. Da kamen Nachrichten wie: "Wenn du noch einmal moderierst, bringe ich dich um." Einmal hat jemand bei der Polizei angerufen und gesagt, ich läge zerstückelt in meiner Küche. Da stand plötzlich eine voll bewaffnete Polizeieinheit vor meiner Tür.