Der Trailer zeigt unrasierte Männer, die in staubigen Tarnuniformen in der Wüste schwitzen. Ein Beduine mit Kamel im Schlepptau, Frauen in bunten Gewändern und Kinder, die unbekümmert in elenden Slums spielen, während die uniformierten Männer diese Slums im Hubschrauber überfliegen und mal diesen, mal jenen Block ins Fadenkreuz zoomen. Hektische Schnitte, Unübersichtlichkeit, das elektrisierende Gefühl ständig akuter Gefahr. "Es ist faszinierend, wie Menschen in so einer Umgebung überleben können", sinniert der eine Uniformierte. Ein anderer übertönt den Motorenlärm: "Es ist alles nicht so schlimm. Es ist schlimmer!" Eine Frau gehört auch zur Truppe. Sie erhebt mit abgespanntem Lächeln die Wasserflasche: "Prost!" Mali heißt die neueste YouTube-Serie, mit der die von Nachwuchssorgen gebeutelte Bundeswehr seit dieser Woche ihren westafrikanischen Kriegseinsatz bewirbt. Jeden Tag ist auf YouTube ein neues, circa sechsminütiges Filmchen zu sehen, das sich dem Ergehen je eines Bundeswehrsoldaten widmet. Das Muster ist bereits erprobt. Die Vorgängerserie Die Rekruten lief von November 2016 bis Januar 2017 und spielte ausschließlich zu Hause, wo vom ersten Kasernentag an und im Dschungelcamp-Stil die Abenteuer der Grundausbildung in Szene gesetzt wurden. Angeblich ist die Zahl der Bewerber für den freiwilligen Wehrdienst im ersten Quartal 2017 um 21 Prozent gestiegen.

Und was erfahren nun die Rekruten in spe, die ja durch den Konsum der Internetserie von der sonst üblichen Trödelei im Internet losgerissen, also von der Couch ins Feld beordert werden sollen? Wir sind noch am Anfang und längst nicht in Afrika. Bisher haben wir den Gebirgsjäger Michael aus Bad Reichenhall kennengelernt und den IT-Feldwebel Marko aus Gotha. Wir haben gesehen, wie ihre Kaserne aussieht und wie die Sofalandschaft zu Hause; wir haben die Freundin des einen und die Frau des anderen für ihre Tapferkeit bewundert (es werden nur ein paar Tränen vor der Kamera verdrückt) und von den Soldaten erfahren, wie schwer es fällt, all das zurückzulassen. Es gab aber auch erfreuliche Momente, zum Beispiel die Einkleidung im Dienstleistungszentrum der Bundeswehr ("Das ist wie Einkaufen, ohne zu bezahlen"). Besonders schön: was die treuherzige Freundin des Gebirgsjägers berichtet. Als er schon einmal im Auslandseinsatz war, da habe sie ihm Speck mit der Post geschickt.

"Wenn man Länder gesehen hat in der Welt", sagt, den Blick in die Berge gerichtet, indessen der Gebirgsjäger, "dann wird Heimat immer wichtiger. Weil man einfach weiß, wie gut wir’s haben." Man möchte der Bundeswehr also keinen Vorwurf machen. Im Unterschied zu den Rekrutierungskampagnen des "Islamischen Staats" wirbt sie um Soldaten, die zwar das Abenteuer suchen, aber danach auch gut und gerne wieder nach Hause kommen.