1 Hat der Umbau etwas mit dem Dieselskandal zu tun?

Nein. Zwar untersuchen die Behörden in den USA und Deutschland noch, ob Daimler oder einzelne Mitarbeiter in Sachen Diesel Dreck am Stecken haben. Aber selbst wenn das Unternehmen – im schlimmsten Falle – ähnlich wie Volkswagen zu hohen Bußen verdonnert würde, brächte die geplante Dreiteilung des Konzerns hier keinen Vorteil.

Die Dieselaffäre aber beschleunigt das Ende des Verbrennungsmotors. Langfristig läuft alles auf umweltfreundlichere Antriebe hinaus. Das erfordert große Umstellungen (schwerfällige Konzerne sind im Nachteil) und reichlich frisches Kapital.

Das erklärt die neue Struktur, die Daimler-Chef Dieter Zetsche dem Autokonzern verpassen will: Unter dem Dach der Daimler AG als Holding soll es zukünftig drei rechtlich selbstständige Sparten geben: Pkw/Vans, Lkw/Busse und Finanzdienstleistungen. Diese Aufteilung soll mehr Unternehmergeist und Flexibilität angesichts der "sich schnell ändernden Umfelder" ermöglichen. Zwar gibt es auch jetzt schon intern fünf Sparten mit eigenen Leitungsgremien, doch mit der neuen Struktur als rechtlich eigenständige Firmen, so heiß es bei den Umbauplanern, könnten die einzelnen Sparten leichter externe Partnerschaften eingehen – etwa mit innovativen Start-ups oder IT-Firmen. Hinzu kommt: Bislang gilt Daimler mit seinen Pkw, Vans, Lkw und Bussen als "Konglomerat" oder Mischkonzern – eine Unternehmensform, die an der Börse in der Regel Abschläge bei der Bewertunghinnehmen muss. Künftig könnten die Sparten leichter Kapital beschaffen, wenn sie beispielsweise die teure Umstellung auf alternative Antriebe finanzieren wollen. Selbst Teilbörsengänge, beispielsweise der Lkw-Sparte, wären dann möglich.

2 Welche Rolle spielt der Angriff neuer Wettbewerber wie Tesla?

Eine ganz wesentliche. Uber, Apple, Tesla: Sie alle bedrohen die Geschäftsmodelle der etablierten Automobilkonzerne. Bei Anlegern etwa genießen Newcomer wie der E-Auto-Pionier Tesla großes Vertrauen, selbst wenn die Kalifornier bislang noch keinen Gewinn machen. Durch die Fokussierung auf E-Autos könne Tesla schneller sein und müsse keine Rücksichten auf "alte" Technologien nehmen, loben viele Analysten. Ähnliches gilt für Autos von Apple. Andererseits ist das Risiko auch höher, was sich etwa gerade beim stockenden Anlauf der Produktion des kleinen "Volks"-Tesla zeigt. Die Kalifornier müssen die Fertigung von Großserien erst noch lernen, und ein Fehlschlag könnte die Investoren abschrecken, Tesla frisches Geld zu geben-. Konzerne wie Daimler, Volkswagen oder General Motors können derweil die Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität durch die Gewinne mit klassisch angetriebenen Autos finanzieren. Trotz der Umwälzungen verdient Daimler derzeit mehr als je zuvor.

3 Ist solch ein gravierender Umbau ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Erst einmal gilt: Wer sich in guten Zeiten für die Zukunft wappnet, ist besser dran, als derjenige, der in Krisenzeiten zu einer Notoperation gezwungen ist. Dies stimmt allerdings nur dann, wenn so ein Umbau nicht von internen Querelen begleitet wird, die das Geschäft lähmen. Gerade in der Geschichte des Daimler-Konzerns gab es etliche Beispiele dafür. Man erinnere sich an den Machtkampf des früheren Konzernchefs Jürgen Schrempp mit dem damaligen Chef von Mercedes-Benz Mitte der neunziger Jahre, als die Pkw-Sparte schon einmal rechtlich eigenständig war. Oder an die glücklose Liaison mit Chrysler, die Daimler fast ruiniert hätte. Um sich durchzusetzen hatte sich Zetsche seinerzeit als neuer Vorstandschef auch die Leitung von Mercedes-Pkw gesichert. Der Erfolg eines Umbaus hängt nicht zuletzt von den handelnden Personen ab.

Der Zetsche-Plan liegt aber im Trend. Etliche deutsche Konzerne haben sich in den vergangenen Jahren aufgespalten oder sind gerade dabei. Der Handelskonzern Metro will die Elektronikmärkte Saturn/Mediamarkt verselbstständigen, die Energieriesen RWE und E.on haben sich geteilt, um die Energiewende zu überleben. ThyssenKrupp will die Stahlsparte in ein neues Unternehmen einbringen, und Siemens hat gerade die letzten Anteile von Osram verkauft und seine Medizintechnik rechtlich verselbstständigt.

Bei Investoren kommt es meist gut an, wenn die Konzerne sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Die Arbeitnehmer dagegen fürchten häufig um ihre Jobs und die Mitbestimmung.

Als Negativbeispiel radikaler Umbauten gilt der einst größte deutsche Chemiekonzern Hoechst. Dessen Vorstand baute so lange um, bis der Rest zur Beute in einer feindlichen Übernahme wurde. Das Traditionsunternehmen Hoechst ist Geschichte. Als positives Beispiel gilt dagegen der Chemieriese Bayer, da sich auch das abgespaltene Kunststoffgeschäft (Lanxess) gut im Markt etabliert hat.