Für Gäste ist die Sache nicht ganz einfach: Wer in Hamburg den Schildern zur Altstadt folgt, der steht irgendwann vor einer sechsspurigen Straße. Kaum würde ein Gast vermuten, dass er die Keimzelle des Hamburger Hafens vor sich hat, wenn er auf das trostlose Nikolaifleet vor der Trostbrücke blickt. Und kaum könnte er erahnen, dass dort, wo heute die Willy-Brandt-Straße tost, vor 100 Jahren der Kern der Hamburger Altstadt lag, mit engen, quirligen Gassen voller Menschen.

Wäre es nicht schön, wenn Hamburg wieder einen historischen Kern hätte, wenn die Innenstadt nicht nur Büro- und Einkaufsfläche wäre, sondern Lebensort?

Für diese Vision einer lebendigen Innenstadt werben seit mehr als einem Jahr der Pfarrer von St. Katharinen, Frank Engelbrecht, und der Stadtplaner Rolf Kellner(ZEIT Nr. 42/16). Inzwischen haben sich die Patriotische Gesellschaft und die Nordkirche der Sache angenommen und die Initiative "Altstadt für Alle!" gestartet. Zuletzt haben sie zu einem Ideenworkshop eingeladen, gemeinsam mit Stadtplanern und Architekten entwickelten dort 300 Bürger die ersten konkreten Ideen für eine Wiederbelebung der Innenstadt.

Erstens: Die Willy-Brandt-Straße, auf der heute jeden Tag 75.000 Fahrzeuge unterwegs sind, könnte beruhigt werden, damit sie die Innenstadt nicht mehr so stark zerschneidet. Die Initiative schlägt vor, zwischen Deichtorhallen und Millerntor die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu begrenzen, zusätzliche Fahrradspuren und Querungsmöglichkeiten, also Ampeln, einzurichten. Zudem plädiert sie für eine Citymaut, die das Fahren in der Innenstadt unattraktiver macht. Einen immer wieder vorgeschlagenen Tunnel für die Straße lehnte eine Mehrheit der an dem Workshop beteiligten Bürger ab: Die Baustelle wäre jahrelang ein Ärgernis.

Zweitens: Zwischen Kunsthalle und Deichtorhallen könnte ein Fußgänger- und Fahrradboulevard entstehen, um die Kulturorte rund um den Hauptbahnhof besser zu verbinden. In einem ersten Schritt könnten die Park- und Abbiegespuren umgebaut werden. Perspektivisch könnten mit weiteren Maßnahmen auch das Museum für Kunst und Gewerbe, das Schauspielhaus und das Ohnsorg-Theater eingebunden werden.

Drittens: Die Initiative schlägt vor, einen klareren Weg vom Rathaus zu St. Katharinen einzurichten, dadurch würden auch die Innenstadt und die HafenCity besser verbunden. Dazu könnte etwa ein Steg an und auf dem Nikolaifleet gebaut werden. Das Fleet, früher der wichtigste Schiffsweg der Stadt, könnte zudem etwa durch ein Open-Air-Kino auf einem Ponton stärker ins Bewusstsein der Hamburger gerückt werden.

Viertens: Wenn in Zukunft weniger Autos in der Innenstadt fahren, werden auch weniger Parkplätze gebraucht. Die Initiative schlägt daher vor, Parkhäuser umzubauen. In einem ersten Schritt könnten etwa im Parkhaus Neue Gröningerstraße an der Katharinenkirche Wohnungen gebaut werden.