Zu dem interessanten Artikel in der vorigen Ausgabe der ZEIT über den Hanser Verlag und dessen Geschäftsführer Jo Lendle möchte ich zwei Anmerkungen machen.

Erstens hat man mir Ende 2013 nicht "den Stuhl vor die Tür gesetzt", wie es in dem Artikel heißt, sondern es war mit dem Aufsichtsrat vereinbart, dass ich – dann 70 Jahre alt – die Geschäftsführung niederlege. Dass ich nach 45 Jahren im Verlag bei der Wahl meines Nachfolgers, den ich selber neben zwei anderen als möglichen Kandidaten vorgeschlagen hatte, nicht gehört wurde, empfand ich als ungewöhnlich in einer Branche, die auf Tradition und Kontinuität setzt. Noch ungewöhnlicher war für mich die Tatsache, dass man mir nicht angeboten hat, für die Zeit des Übergangs den Verlag "auf einem Stühlchen neben der Tür" zu begleiten, nicht zuletzt um zu verhindern, was dann bedauerlicherweise eingetreten ist, dass nämlich viele Autoren den Verlag verlassen. In meiner Zeit bei Hanser haben wir den Verlag durch Zukäufe und Neugründungen erheblich vergrößert – Kinderbuch-Verlag, Zsolnay, Deuticke, Nagel & Kimche, Hanser Berlin –, sodass es meiner Meinung nach einer längeren Einarbeitung bedurft hätte, um dieses komplizierte Gespinst zu begreifen. Aber der Aufsichtsrat wollte den harten Schnitt. Mein Vorgänger, der legendäre Fritz Arnold, saß noch mit 80 Jahren zu unser aller Wohl und Vergnügen jeden Dienstag in der Lektoratssitzung und hat bis zum Schluss eine Menge Kastanien aus dem – meist von Autorenwitwen angefachten – Feuer geholt. Und wenn der Verlag Kiepenheuer & Witsch das Ende der Geschäftsführerzeit von Helge Malchow verkündet, dann fehlt selbstverständlich nicht der Hinweis, dass er danach dem Verlag auch weiterhin beratend zur Verfügung steht. Das ist eine Frage des Stils und der Klugheit.

Zweitens möchte ich darauf hinweisen, dass ich keineswegs "beim Small Talk oder beim Abendessen" den Stab über Herrn Lendle gebrochen habe. Ich kenne ihn kaum. Ich habe mich nur gewundert, dass ich bei den vielen "Weggängen", die "mein" geliebter Hanser Verlag hat hinnehmen müssen – von Guntram Vesper und Olga Grjasnowa über Ilja Trojanow bis zu Martin Mosebach, Botho Strauß und Karl Heinz Bohrer –, nicht ein einziges Mal um Vermittlung gebeten wurde. Dabei wohne ich um die Ecke, in Rufweite des Verlags.

Erschüttert hat mich die Mitteilung am Ende des Artikels, dass Reinhard Jirgl in Zukunft nur noch für die Schublade schreiben will.