Wann immer Klagen über die Ignoranz der Bürger oder fehlendes Vertrauen in Politik und Wissenschaft laut werden, ist ein Schuldiger meist schnell gefunden: Es sind die Medien, die falsch und unsachlich informieren, die zu viel (oder zu wenig) berichten, Nebensächliches zu groß aufblasen und Wichtiges zu klein spielen. Auf diese Diagnose können sich in Talkshows und anderen Weltdeutungsrunden meist alle Beteiligten einigen. Die These klingt ja auch plausibel: Medien haben heute eine ungeheure Macht, das weiß doch jeder!

Tatsächlich? Ist der Einfluss der Medien wirklich so groß? Wie sehr lässt sich das Publikum beeinflussen? Die Antwort der Empirie ist ernüchternd: Selbst ein mediales Trommelfeuer schafft zwar kurzfristige Aufmerksamkeit, aber garantiert keine Wirkung. Mitunter erreichen die Berichte sogar das Gegenteil dessen, was die Journalisten eigentlich intendieren.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Medienwirkung der Weltklimakonferenz in Paris 2015. Ein Team um den Hamburger Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann hat dazu 1121 Deutsche vor, während und nach dem Klimagipfel zu ihrer Einstellung zum Klimawandel befragt. Eigentlich sollte man da zumindest gewisse Veränderungen erwarten. Schließlich war die Pariser Klimakonferenz auch ein großes Medienereignis. Tagelang wurde auf allen Kanälen berichtet, viele Medien breiteten die Hintergründe der Klimaforschung aus, beschrieben das zähe Ringen um eine Einigung und feierten am Ende den Erfolg der in Paris erzielten Einigung.

Was blieb davon beim Publikum hängen? Einige Befragte lernten während des Gipfels zwar die Ziele der Konferenz kennen (vorher kannten sie 28 Prozent der Deutschen, danach 36 Prozent), neue "Grundkenntnisse über Klimapolitik gewannen die meisten jedoch nicht hinzu", bilanziert die Studie jetzt im Fachblatt Nature Climate Change. Ebenso erstaunlich: Ein Viertel der Probanden bekam von dem Klimarummel gar nichts mit. Und achtzig Prozent war auch nach der Konferenz nicht klar, dass die CO₂-Emissionen weltweit nicht etwa sinken, sondern eher immer noch steigen.

Wenn die Berichterstattung überhaupt einen Effekt hatte, dann eher den der Beruhigung. So stieg das Vertrauen, dass die Weltgemeinschaft den Klimawandel in den Griff bekomme, von 25 auf 30 Prozent. Zugleich sank allerdings die Zustimmung für eine führende Rolle Deutschlands beim Klimaschutz von 61 auf 56 Prozent während der Verhandlungen. Und kaum jemand fühlte sich nach der Konferenz ermuntert, selbst mehr zu tun. Bei der Frage, wer sich persönlich stärker für den Klimaschutz engagieren würde – etwa bei der Ernährung oder durch das Umsteigen auf grünere Verkehrsmittel –, zeigte sich keinerlei Effekt. Die Befragten wollten sich nach dem Gipfel nicht klimafreundlicher verhalten als zuvor, bilanzierten die Forscher und waren selbst überrascht, "dass trotz des immensen Aufwands der Medien so wenige Informationen über den Klimagipfel in der Bevölkerung ankamen".

Das heißt nun nicht, dass Medien generell keinen Einfluss hätten. Eines aber macht die Studie klar: In puncto aufklärerische Wirkung sollte man von ihnen nicht allzu viel erwarten.