Wenn es nach Yasha Young geht, dann braucht die Street-Art unbedingt ein Zuhause. Andernfalls, so glaubt die Direktorin des neuen Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art in Berlin, ginge die Geschichte dieser Kunstform unwiederbringlich verloren.

Wer sich in der Hauptstadt umsieht, muss Young recht geben: Überall wird gebaut, und die Brandmauern mit Fassadenkunst, die teils noch aus den siebziger Jahren stammen, verschwinden mit den Häuserlücken. Mitunter lassen die Künstler sie aus Protest gegen den Bauboom sogar selbst verschwinden. So wie die bekannten fassadenhohen Graffiti neben der Cuvry-Brache in Berlin-Kreuzberg, die 2014 schwarz übermalt wurden.

Young, die lange in New York als Galeristin tätig war, hat sich mit ihrem Projekt dennoch nicht nur Freunde gemacht. Schon vor der Eröffnung Mitte September musste sie sich mit Street-Art-Künstlern auseinandersetzen, die jede Form der Domestizierung ihrer Arbeit ablehnen. Dass ausgerechnet eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, die Gewobag, die Hälfte der Umbaukosten von 4,5 Millionen Euro für das Haus aus der Gründerzeit zahlt, trägt auch nicht zur Akzeptanz bei. Sind nicht Hausbesitzer immer schnell dabei, Graffiti an ihren Wänden zu Vandalismus zu erklären? Das Engagement der Gewobag kam den Protestlern vor wie der Versuch, Kontrolle über die anarchischen Aspekte der Street-Art zu gewinnen: Man gibt ihnen eine Spielwiese, und die Banksys dieser Welt toben sich auf dem umzäunten Areal aus.

Schick ist das Urban Nation Museum aber auf jeden Fall geworden: Das Berliner Architekturbüro Graft versucht, die Grenzen zwischen Innenraum und Straße zu verwischen. Die Fassaden sind mit gigantischen Bildern gestaltet. Drinnen hingegen hängen die Bilder der japanischen Künstlerin Aiko, des Australiers Ben Frost oder von Shepard Fairey brav gerahmt an weißen Wänden, manchmal wurden ganze Mauerstücke konserviert. Das aber setzt die Street-Art in direkte Konkurrenz zu dem, was sonst in Museen hängt – und lässt sie ohne Street-Credibility ganz schön dekorativ aussehen.