Das Wintersemester beginnt. Auch für diese sechs Uni-Charaktere. Eine Typologie

Der Professor von gestern

Da trifft man ihn: Im Theater, im Hörsaal, im Oberseminar.

Das trägt er: Der Bologna-Prozess macht ihm das Leben schwer, rauchen kann man im Büro auch nicht mehr. Wenn schon alles anders werden muss, bleiben wenigstens die Kleider die alten: Das Cord-Sakko hat so viele Studenten scheitern sehen wie sein Träger, der Pullover darunter hat die Ärmelpatches nicht aus modischen Gründen aufgenäht.

Das nimmt er zu sich: Rotwein, Kant, Cracker. 

Sein Soundtrack: "Yesterday" (Beatles), "Stehe still" (Richard Wagner)

Die Chefin (des Prüfungsamtes)

Da trifft man sie: Beim Phil-Collins-Konzert, beim Wandern, hinter Akten. In der Uni sieht man sie eher selten persönlich, man mailt ihr – oder traut sich, anzurufen.

Das trägt sie: Viel Verantwortung. Schmale Brille ohne Rahmen und große, auffällige Kette. Die Frisur sitzt, sie meistens auch, deshalb muss der Rock bequem sein und darf nicht knittern.

Das nimmt sie zu sich: Gerne mal ein Sektchen, in Stressphasen Baldrian. Und werktags um 12.15 Uhr immer: Mensa.

Ihr Soundtrack: "Office Girls" (Klark Kent), "9 to 5" (Dolly Parton)

Student Nummer eins

Da trifft man ihn: In der Vorlesung, an der Kletterwand beim Uni-Sport.

Das trägt er: Optimierung ist oberstes Gebot, das gilt auch für die Kleidung: Ddie Stoffe sind atmungsaktiv, mit Silberionen veredelt (gegen Schweißgeruch). Die Jeans ist schmutz- und wasserabweisend ausgerüstet. Dazu ein Fitnessarmband. Praktische Sneaker beschleunigen die Wege zur Fachschaft.

Das nimmt er zu sich: Fachliteratur, vitaminreiche Smoothies und Powerriegel. Gelegentlich einen Mexikaner.

Seine Playlist: "Nur noch kurz die Welt retten" (Tim Bendzko), "The Scientist" (Coldplay)

Der Gründer mit Uni-Abschluss

Da trifft man ihn: Auf einer Armlänge Abstand zu den wirklich wichtigen Leuten. Die Uni ist sein Netzwerk, der Master in Entrepreneurship nur ein Zwischenstopp. Sein erstes Start-up hat er schon verkauft, für das zweite gewinnt er gerade seine Professorin.

Das trägt er: Uns alle in die Zukunft. Und zwar im Maßanzug (von den Kollegen eines Fashion-Start-ups), kombiniert mit Sneakers (für die Lässigkeit). Auch gut: Kapuzenpullover, so wie sein Vorbild Mark Zuckerberg. Und niemals ohne Headset und Ladekabel!

Das nimmt er zu sich: Gründerszenen-Podcasts und Gin-Tonic.

Seine Playlist: "Du bist Boss" (Kollegah)

Die verfahrene Scheinstudentin

Da trifft man sie: Im gesamten Gebiet des Semestertickets (mit Ausnahme des Campus). Die Welt ist ihr Hörsaal.

Das trägt sie: Visionen im Herzen. Ansonsten Schlafanzug, Kellnerschürze, Partyoutfit oder Backpack – je nach Tageszeit, Wetter und Aufenthaltsort. Den passenden Stil sucht sie noch, wie sich selbst.

Das nimmt sie zu sich: Ein Bierchen vom Späti. Das übrige Geld investiert sie in Öko-Essen, teuer und fair. Daher muss sie heute auch leider arbeiten und kommt nicht zur Vorlesung.

Ihre Playlist: "Ist da jemand?" (Adel Tawil), "Invisible" (Alison Moyet)

Die Professorin von heute

Da trifft man sie: Auf Konferenzen, am Exzellenzcluster-Stammtisch, im Yogastudio.

Das trägt sie: Sie will seriös wirken, aber gern auch etwas flott. Sie balanciert modische Hingucker (Halstuch) und Klassiker (Hosenanzug). Alles online eingekauft natürlich, auf der Zugfahrt zum Partner. Der ist ebenfalls Juniorprofessor, jedoch leider am anderen Ende Deutschlands.

Das nimmt sie zu sich: Gartensalat im ICE-Bordbistro, Coffee to go im recyclebaren Bambus-Becher.

Ihre Playlist: "Work" (Rihanna), "Run the World" (Beyoncé)