Eine Werft baut Boote. In einer Stadt, in der Fähren Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes sind und das Segeln quasi zum kulturellen Erbe gehört. Man könnte meinen, einem solchen Unternehmen müsste es gut gehen. Aber Heidemarie Heins, Besitzerin der Feltz-Werft in Finkenwerder, macht sich Sorgen um die Zukunft.

Heins ist 54 Jahre alt und hat die Werft vor acht Jahren gemeinsam mit ihrem Mann übernommen. Eigentlich wollten die beiden nur die Fläche haben, für ihr Bauunternehmen nebenan, bis heute ihr Hauptgewerbe; dann beschlossen sie, die 1945 gegründete Werft weiterzuführen.

Denn Arbeit gibt es für sie in Hamburg genug: Die Feltz-Werft baut Boote für die Polizei und die Feuerwehr, repariert Barkassen für Anbieter von Hafenrundfahrten. Woran es in Hamburg allerdings mangelt: Menschen, die diese Arbeit machen. Zwölf Mitarbeiter hat Heins in ihrer Werft, die Hälfte ist über 50. Nachwuchs zu finden ist schwer. Und die paar Jungen, die sie hat, so fürchtet Heins, werden nicht mehr lange bleiben.

Das kennen viele Handwerksbetriebe in Deutschland. In der Bootsbau-Branche ist die Lage dramatisch. Von 2003 bis 2007 starteten in Hamburg insgesamt 58 Lehrlinge eine Ausbildung, in den fünf darauffolgenden Jahren waren es 41, in den letzten fünf Jahren nur noch 31.

Heidemarie Heins macht das so große Sorgen, dass sie vor der Bundestagswahl damit ins Fernsehen ging. In der Sendung Klartext, Herr Schulz stand sie auf und sagte, es sei kaum noch möglich, Lehrlinge zu finden. Nun sitzt sie in ihrem Büro – Bootsmodelle aus Pappe auf dem Regal, aus dem Fenster der Blick auf echte Boote – und erzählt von ihrem Dilemma, das mit dem Lohn beginnt.

500 Euro pro Monat zahle sie ihren Auszubildenden im ersten Lehrjahr, 580 im zweiten, 700 im dritten. Das ist etwa ein Viertel mehr als im Bootsbau laut Innung üblich – aber kaum mehr als die Hälfte dessen, was der Tarifvertrag für die verwandte Schiffsbau-Branche vorschreibt. Schiffe sind Industrie, Boote Handwerk. Wieso sollte sich ein Schulabgänger für eine Bootsbauer-Ausbildung interessieren, wenn er bei Schiffen auf kurze und auf lange Sicht viel mehr verdienen kann?

Heins könnte die Löhne angleichen. Aber das gehe nicht, sagt sie. Sie müsste das umlegen auf ihre Kunden, und die seien nicht bereit, höhere Preise zu zahlen.

Wenn die ganze Branche erhöhen würde? Schließlich gibt es dem zuständigen Innungsmeister zufolge nur 14 Bootswerften in Hamburg, die Feltz-Werft gehört zu den größeren, der Kunde hat also nicht viel Auswahl. Auch das sei nicht möglich, sagt Heins. "Selbst wenn die drei Werften in unserem Bereich sagen würden, wir nehmen jetzt fünf oder zehn Euro mehr pro Stunde: Das zahlt uns keiner mehr, dann kaufen sich die Kunden selbst einen Techniker ein." Für kleinere Reparaturen hätten die Betriebe ohnehin schon ihr eigenes Personal. Und für den Neubau? "Gehen sie ins Ausland oder in den Osten, da sind die Preise noch niedriger."