Die Deutsche Bahn findet keinen Digitalvorstand. Das ist keine Nachricht, es ist ein Skandal.

Es leiden all jene, die sich in den Zug setzen, den Laptop aufklappen und vergeblich versuchen, eine Internetverbindung aufzubauen. Jene, die telefonieren wollen, beruflich oder privat, aber am schlechten Netz scheitern. Und jene unverbesserlichen Bahnfahrer, die sich auf ihrem Smartphone über Verspätungen informieren. Und sich dann am Gleis über ganz andere Anzeigen wundern.

Eine Reise mit der Deutschen Bahn im Jahr 2017, sie ist ziemlich retro geworden. So analog wie in den siebziger Jahren. Mit jeder Bahncard kaufen sich die Bahnfahrer eine Kur zur digitalen Entgiftung gleich mit. Natürlich lässt sich in der Bahn herrlich schmökern und schlafen. Aber wer einen Teil seiner Arbeitszeit aufs Gleis verlegen möchte – und das sind von Jahr zu Jahr Tausende Pendler mehr –, der ist ganz froh, wenn die versprochene WLAN- Verbindung dann ebenso gut funktioniert wie das Telefonnetz. Und in dieser Phase soll sich in ganz Deutschland niemand finden, der fähig wäre, den Umbau voranzutreiben?

Woche für Woche wird die Entscheidung über die Personalie für das wichtige Vorstandsamt verschoben. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht dafür allein die Schuld zu geben, wäre zu einfach. Felcht ist ein Opfer des volkseigenen Betriebs Deutsche Bahn AG. Der Herbst 2017 wird zum Lehrstück darüber, wie politischer Leerlauf inmitten von Koalitionsverhandlungen einen Staatskonzern lähmen kann. Minister mischen sich munter in Personaldebatten ein, für Aufsichtsratsmitglieder ist die Denke der Partei Gesetz und nicht das Wohl des Unternehmens.

Das liegt auch daran, dass im Aufsichtsrat der Bahn zu viele Politiker sitzen, die man eher in der Verwaltung eines Kommunalversorgers erwarten würde. Nicht aber als Kontrolleure eines Großkonzerns mit 40 Milliarden Euro Umsatz, vier Milliarden Reisenden und über 300.000 Mitarbeitern.

Sosehr man feiern mag, dass die Bahn nie an die Börse ging, so sehr können sich Fahrgäste nur wünschen, dass die nächste Bundesregierung sie endlich erwachsen sein lässt. Das hieße, den Aufsichtsrat mit Köpfen zu besetzen, die nicht nur die gewünschte politische Richtung vertreten, sondern auch den nötigen Sachverstand mitbringen. Es würde auch bedeuten, dass die Bahn sich noch deutlich mehr als heute dem Wettbewerb stellt. Noch schützt sie die Bundesregierung, wo sie nur kann, zum Beispiel indem sie Subventionen als Regionalisierungsmittel versteckt und so das Monopol zementiert.

Und es hieße drittens, dass sich dieses Unternehmen ehrlich macht. Die Bilanz ist auch deshalb so verschachtelt und aufgebläht, weil sich dort manches Milliardengrab verstecken lässt. Der nächste Verkehrsminister sollte neben Milliardeninvestitionen in Schiene und – bitte! – Digitalisierung deutlich benennen, was die Bahn vor allem ist: keine Profitmaschine, sondern ein Turbo für das Bruttoinlandsprodukt. Dann nämlich, wenn Millionen Arbeitnehmer im Land pünktlich, zuverlässig und schnell ans Ziel kommen. Wenn sie unterwegs noch arbeiten könnten, würden sie das glatt machen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.