Eine ehrwürdige Tradition verbietet es den Ehemaligen, ihre Nachfolger im Weißen Haus öffentlich zu kritisieren. Im neunten Monat der Ära Trump haben es gleich zwei getan, ohne ihn beim Namen zu nennen: George W. Bush und Barack Obama. Ihre Rüge kam keine Minute zu früh, denn es knirschen die Checks and Balances, die Amerikas gewählte Monarchen seit 230 Jahren bändigen.

Hauptkontrolleur ist der Kongress, nur ist der wie gelähmt: Den Demokraten dort fällt nichts ein, ihr Chef im Senat, Chuck Schumer, gleicht einem zahnlosen Pudel. Die Republikaner leiden an Angststarre; bloß nicht die Trump-Fans verärgern (obwohl er mit nur 35 Prozent Zustimmung der unpopulärste Präsident aller Zeiten ist). Die wahre Opposition ist auf das Duo Bush/Obama und den republikanischen Senator John McCain zusammengeschrumpft.

Alle drei sind jetzt aus der Deckung gegangen. McCain warnte vor einem "fadenscheinigen Nationalismus", zusammengerührt von Leuten, "die nach Sündenböcken suchen, statt Probleme zu lösen" – das sei "unpatriotisch". Bush geißelte "Bigotterie", "Verschwörungstheorien" und "Lügenmärchen". Er brandmarkte den "Nativismus", der Angst und Abwehr gegenüber Zuwanderern säe. Die Zugehörigkeit zur Nation beruhe eben nicht auf "Blut und Boden"; jedermann könne ein guter Amerikaner sein, ganz gleich, welcher "Rasse, Religion oder Herkunft".

Bush weiter: Es recke sich der "Isolationismus", der vergessen mache, dass "Amerikas Sicherheit von Chaos und Verzweiflung in fernen Gegenden bedroht" werde. Das Land müsse eine "internationale Ordnung bewahren und verteidigen, die auf Freiheit und Freihandel basiert". McCain: Amerika dürfe nicht ein System fürchten, das "wir selber etabliert und ein Dreivierteljahrhundert lang geführt haben".

Bush: "Unser Diskurs wird vergiftet durch unmenschliches Dahingerede." In dieselbe Kerbe schlug Obama. "Es gibt Leute, die andere gezielt in Wut versetzen, sie dämonisieren, weil sie anders denken." Wir sollten "heilen statt verletzen". Dann direkt gegen Trump: "Wer einen Wahlkampf gewinnt, indem er die Menschen gegeneinanderhetzt, wird sie nicht regieren können." Ein besseres Resümee der Amtszeit Trumps gibt es nicht.

Hat der Präsident zugehört? Ja, auf seine Weise: "Diese Leute sollten vorsichtig sein, weil ich irgendwann zurückschlagen werde. Ich bin sehr, sehr nett. Aber wenn ich zurückhaue, wird das nicht hübsch sein." Auch normale Menschen heben die Fäuste, wenn sie attackiert werden, aber irgendwann fragen sie sich: "Was habe ich falsch gemacht?" In diesem Sinne ist Trump nicht normal, weil er süchtig ist nach Krach, seinem Lebenselixier. Seine Lernkurve ist so steil wie ein Sandhäufchen.

Zumindest markieren Bush, Obama und McCain eine Wasserscheide. Den Demokraten Obama kann Trump abtun, doch nicht die beiden Republikaner – den 43. Präsidenten und den höchst respektierten Mann im Senat. Anders als die liberalen Medien haben die drei Kritiker Trump nicht verteufelt, sondern die besten Werte Amerikas hochgehalten. Mag sein, dass auch das nichts nützt. Aber vielleicht werden manche Trump-Wähler jetzt nachdenklich und werden aktive Politiker sich ermutigt fühlen. Auf jeden Fall: Eine bessere Opposition gibt es derzeit nicht. Denn der Kongress hat sich selber aus dem Spiel genommen.