Eine Fußballmannschaft besteht auf dem Feld aus elf Spielern. Eigentlich gibt es um die Plätze einen Konkurrenzkampf, denn jedes Team hat mindestens doppelt so viele Athleten im Kader. Beim FC St. Pauli sieht die Sache gerade anders aus. Dort könnten die Verletzten fast eine komplette, nicht gerade schlechte Zweitliga-Mannschaft bilden.

Neun Spieler sind zurzeit nicht einsatzbereit. Es gibt einen Kreuzbandriss, einen Innenbandanriss, einen Oberschenkelmuskelriss, und das sind nur die schlimmsten Verletzungen. Was für ein Ärger für die Spieler. Was für ein Ärger für den Verein.

Hätte Trainer Olaf Janßen seinen Kader nur halbwegs zusammen, wären in den vergangenen Wochen vier, fünf Punkte mehr drin gewesen. Punkte, die am Ende schmerzhaft fehlen werden. Denn diese Saison ist eine besondere für St. Pauli. Sie bietet Möglichkeiten, die seit Jahren nicht da waren – und auf absehbare Zeit wohl nicht wiederkehren werden.

Die Zweite Bundesliga hängt von der Ersten Bundesliga ab. Jedes Jahr bekommt sie durch das System des Auf- und Abstiegs zwei bis drei Erstligisten und gibt zwei bis drei ihrer Mannschaften ab. Manchmal kommen Teams aus der Ersten Liga, für die die Zweite Liga ein Betriebsunfall ist. Sie behalten ihren Kader beisammen, zahlen weit mehr Millionen als die anderen Vereine der Zweiten Liga und dominieren nach Belieben. Sie steigen ab und im nächsten Jahr gleich wieder auf.

Diese Mannschaften sind gut für das Image der Liga, sie steigern den Zuschauerschnitt und spielen attraktiven Fußball. Diese Mannschaften sind aber nicht gut für Teams wie den FC St. Pauli. Man weiß gleich zu Saisonbeginn: Gegen Stuttgart oder Frankfurt oder Hannover können wir eh nichts machen. Mit viel Glück gelingt uns der Sprung auf den dritten Tabellenplatz, und mit noch mehr Glück gewinnen wir dann in den Relegationsspielen gegen den Drittletzten der Bundesliga (also meist gegen den HSV).

In diesem Jahr ist die Lage anders. Die zwei Absteiger aus der Bundesliga sind keine Vereine mit einem Betriebsunfall. Für Darmstadt 98 und den FC Ingolstadt war es eher ein Betriebsunfall, dass sie sich so lange in der Ersten Liga halten konnten.

Da gleichzeitig die beiden Favoriten Hannover und Stuttgart im Frühjahr aufgestiegen sind, ist die Zweite Liga so offen wie nie. Es gibt keinen echten Favoriten. Das zeigt ein Blick auf die Tabelle: Die beiden Absteiger liegen auf Platz 10 und 11, auf Platz 1 steht gerade Fortuna Düsseldorf, ein Verein, der in der vergangenen Saison nur auf Rang 11 landete. Dicht gefolgt von Holstein Kiel, einem Aufsteiger aus der dritten Liga.

Für den FC St. Pauli ist das bitter. Der Verein steht auf Rang 6, was sich erst mal nicht schlecht anhört. Er hat aber schon zehn Punkte Rückstand auf Düsseldorf und acht auf Kiel. Auf Kiel!

Der Blick auf den Rivalen aus dem Norden zeigt, wo der Verein vom Kiez eigentlich stehen könnte. Natürlich sind noch 23 Spiele zu spielen. Natürlich kann Kiel noch einbrechen. Aber mit Nürnberg und Union Berlin lauern Teams vor St. Pauli, die einen starken Kader haben und die Chance des Jahres ebenfalls ergreifen wollen. Denn wenn im nächsten Jahr der 1. FC Köln, Werder Bremen oder doch der HSV in die Zweite Liga kommen, wird es für alle wieder extrem schwer werden, um den Aufstieg mitzuspielen. Selbst mit einem komplett verletzungsfreien Kader.