"Rasier das Kultus, Haubi!" Das soll wohl so viel heißen wie: Mach da mal Ordnung! Diesen Spruch geben die Schüler ihrem Rektor noch mit: auf ein weißes Bettlaken geschrieben, am Gymnasium Klotzsche im Dresdner Norden aufgehängt. 24 Jahre lang war Frank Haubitz dort Schulleiter, jetzt wurde er als Minister ins Kultusministerium berufen. Für die ganz große Aufgabe in Sachsen.

Bildungspolitik ist in Sachsen nicht nur eine Baustelle, sie ist ein riesiges Problem. Es fehlen so viele Lehrer, dass an manchen Schulen mehr Quereinsteiger als Pädagogen unterrichten. Sachsens Schulen mangelt es an Geld und an Personal, und das war auch ein Grund für die CDU-Wahlniederlage. Die bisherige Kultusministerin, Brunhild Kurth, nannte das laufende Schuljahr noch "das schwerste seit 1990". Dann trat sie zurück.

Eine Katastrophe, die Stanislaw Tillich – offenbar schon in Zusammenarbeit mit seinem designierten Nachfolger Michael Kretschmer – als Chance begriffen hat. Der neue Kultusminister, der 59-jährige Haubitz, ist als Besetzung durchaus eine Sensation. Nicht nur, weil er keiner Partei angehört und weil nur die Wenigsten seinen Namen kennen: Er kämpft auch seit fast zwanzig Jahren für die Gegenseite. Denn wenn überhaupt, dann ist Haubitz als ehrenamtlicher Vorsitzender des sächsischen Philologenverbandes bekannt, der Gewerkschaft der Gymnasiallehrer; als ein Zwischenrufer, Verbesserer, Meckerer. Ausgerechnet er, der Meckerer, soll nun Chef des Kultusressorts werden. Was für eine Entscheidung.

Und ein Zeichen an die Lehrerschaft: Wir haben verstanden! Wir nehmen euch jetzt ernst.

Haubitz ist, man muss das so sagen, offenbar ein erfrischender Typ. Zur Ernennung sagte er Journalisten: "Ich habe geschwitzt und hatte dieses angenehme Kribbeln im Bauch, wenn man etwas tut, was man noch nie getan hat." Er sagte auch: "Ich appelliere heute an meine Lehrer", er könne nur mit ihrer Hilfe Erfolg haben.

Haubitz ist gegen die Einstellung von Quereinsteigern, lieber will er mehr Lehrer verbeamten, um mehr von ihnen anwerben zu können. Und er hofft, zur Überbrückung ältere Kollegen überreden zu können, dass sie erst später in Rente gehen. Damit das klappt, braucht er Geld.

Lange baute Sachsen lieber Schulden ab, als in Lehrer zu investieren. Jetzt schafft Tillich, der immer hinter diesem Kurs stand, einen Moment der Öffnung. Und sagt selbst: Haubitz sei "ein cooler Typ". Dass künftig genügend Geld für die Schulen da sein soll, signalisiert Tillichs Wunschnachfolger bereits: Bildung sei eine "Priorität", sagte Michael Kretschmer. Haubitz ist optimistisch, dass das auch so gemeint ist.

"Keine zwei Sekunden", sagt er, habe er jedenfalls nachgedacht, als er gefragt wurde, ob er Minister werden wolle.