Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Leute, die gerne kleine Porträtbilder von Fußballstars in Sammelalben kleben, werden sich erinnern können. Früher gab es bei Weltmeisterschaften eine Rubrik, die nannte sich "die großen Ausgeschiedenen". Nun sind bei der Wahl zwei Fraktionen abhandengekommen. In Zusammenhang mit der Stronach-Truppe kann von groß keine Rede sein, also kommen nur die Grünen infrage. Nun macht sich die glücklose Truppe unter der Führung eines verdienten Veteranen daran, die Partei neu aufzustellen. Schulden müssen irgendwie abgestottert werden, und es gilt, das Profil zu schärfen. Nur: An der Schärfe des Profils lag es nicht, im Gegenteil. Man verabsäumte es scharfsinnig, die wirklich brennenden Themen anzusprechen. Als die Finanzwirtschaft kollabierte und die Kosten auf Unbeteiligte abgewälzt wurden, was bei vielen enorme Existenzängste auslöste, preschten die Grünen mit der Forderung nach der Homo-Ehe vor. Die war, bei allem Respekt, nicht unter den Top-Ten der Wähler-Bedürfnisse zu finden. Grüne Politik erschöpfte sich in der öffentlichen Wahrnehmung allzu oft in dem Slogan "Wir sind voll gegen die FPÖ, aber ganz wirklich" oder aber auch in einer verkrampften urbanen Verkehrsplanung. Dazu kamen Äußerungen von Funktionären, die nicht einmal im ÖH-Wahlkampf als originell gegolten hätten. Immerhin wird nun Selbstkritik geübt: "Wir haben’s vernudelt." Treffender kann man es nicht formulieren. Die Deutschen würden von "verbockt" sprechen, doch scheint dieser Begriff im grünen Kontext doch etwas zu fleischlastig zu sein. Wer also dann letzten Endes die künftigen Entnudler sein werden, steht noch in den Sternen. Aber es ist zu hoffen, dass es sich nicht wieder um zänkische Kleingeister handelt. Dafür ist die grüne Idee zu wichtig.