Das Nobelpreiskomitee konnte im Oktober wieder einmal überraschen: Der Friedensnobelpreis geht 2017 nicht an einen bedeutenden Politiker oder einen Pazifisten. Ausgezeichnet wurde die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Nuklearwaffen (Ican). Diesem Bündnis gehören 470 Organisationen aus 100 Ländern an, sehr große und ziemlich kleine gehören dazu: von Greenpeace bis zum Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Die Freude bei den Aktivisten war gewaltig. Mit dem Preisgeld von rund 940.000 Euro lassen sich einige Kampagnen gegen Kernwaffen finanzieren. Es scheint nötig wie schon lange nicht mehr, in Zeiten, in denen US-Präsident Donald Trump möglichen Gegnern mit seinem gesamten Arsenal droht und Nordkorea im Kriegsfall die völlige Zerstörung ankündigte sowie die atomare Streitkraft rund um die Uhr in Bereitschaft setzen möchte. Doch nun schockt eine Nachricht die Ican-Mitglieder. Die Nobel-Stiftung, die hinter dem Friedenspreis steht, mehre ihr Vermögen auch mit Investments in Rüstungskonzerne, die an Atomwaffenprogrammen beteiligt seien.

So berichtete es das heute journal im ZDF vergangene Woche. Die Redaktion berief sich auf Recherchen der Organisation Facing Finance aus Berlin, die immer wieder kritische Finanzgeschäfte anprangert.

Facing Finance gehört ebenfalls zur Ican-Kampagne und war stolz auf die Auszeichnung. Aber dann recherchierten die Experten um Thomas Küchenmeister, wie die Nobel-Stiftung ihr Geld anlegt und die nötige Rendite erwirtschaftet, um die hohen Preisgelder Jahr für Jahr ausschütten zu können.

Das Gründungskapital stammt vom norwegischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel (1833–1896). In seinem Testament 1895 bestimmte er, dass fast sein gesamtes Vermögen in die nach ihm benannte Stiftung fließen soll. Von den Zinsen sollten fünf Preise finanziert werden: für Chemie, Physik, Literatur, Medizin und Frieden. Bis heute folgt die Stiftung diesen Vorgaben.

Sie legt ihr Vermögen vielfältig an, darunter in mehreren großen Anlage- und Hedgefonds. Sie werden im Jahresbericht der Stiftung für 2016 genannt. Einige von diesen Fonds wiederum halten Anteile von Unternehmen, die in die Produktion, Modernisierung und die Wartung von Atomwaffen involviert sind. Dazu gehörte beispielsweise der Vermögensfonds RAFI US Index, der in zahlreiche US-Konzerne investiert. Auf dessen Liste der aktuellen Beteiligungen finden sich auch die Rüstungsriesen Lockheed Martin und Raytheon. Beide Konzerne sind in das Atomwaffenprogramm des US-Militärs eingebunden.